Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde34 (1929) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde

  
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34 (1929) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde
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Die Männertracht unterscheidet Festtags-, Sonntags- undWerktagstracht. Im Alter gibt es keinen Unterschied. Das kleineBüblein mit den ersten Hosen ist das genaue Miniaturbild deserwachsenen Mannes.

F. Lentner(» Ueber Volkstracht im Gebirge«, Zeitschr. f. österr.Volkskunde, Wien 1905) beschrieb die Tracht der fünfziger Jahrein Sarntal, jedoch irrtümlich, da er sie mit jener in Hafling undVöran verwechselt. Auch K. Spiess(« Die deutschen Volkstrachten»,Teubner 1911) gibt kein richtiges Bild einer alten Sarnertracht.

Beda Weber(« Das Land Tirol») schreibt um 1840:» Ihre( der Sarner) eigentümliche Tracht kann man an Festtagen nochzum Teile ganz unbeschnitten sehen und sie ist im Ganzenderjenigen ähnlich, welche in älteren Zeiten auch in anderenNachbartälern im Schwung war und zum Teil noch ist. Ihreroten Jacken nehmen sich bei den Männern ebenso reinlich aus,wie bei den Mädchen die weißen Schürzen».

B. Weber betont ganz richtig, daß sich in der Sarnertrachtam meisten von allen anderen Trachten Elemente älterer Trachterhalten haben, und dadurch zeichnet sie sich auch vor allenNachbartrachten aus.

Die Männertracht der letzten Zeit bis gegen Ende des19. Jahrhunderts bestand in Folgendem:

1. Pfoat"( Hemd): an Sonntagen aus gebleichtem Hausleinen,sonst aus grobem Rupfen. Es ist ohne Kragen, nur mit einem schmalenHalsschluß versehen, mit Häftchen zusammengehalten, vorne offen; anBrust und Aermelschluß etwas gefalten. Zur Festtagstracht gehört einbesonderes Hemd( Kiehe Tafel I, Abb. 1). Dieses hat um den Halsschlußssowie längs des Brustschlitzes eine Spitzeneinfassung. Die Acrmel sindan der Achsel sehr breit und sind unterseits im Schnitt eigenartig ge-knickt, sind aber ohne Manschette, und werden nur wie am Hals miteinem Häftchen geschlossen.

Diese Festtagstracht wurde früher, d. h. in den ersten zwei Drittelndes vorigen Jahrhunderts, zweimal im Jahre, nämlich zur Osterbeichteund am Blutstag"( Fronleichnam), außerdem noch am Hochzeitstagevom Bräutigam und den zwei Zeugen getragen. Heute wird es nur mehrbei Hochzeiten und zu Fronleichnam von den Himmelträgern" verwendet und findet sich nur selten in einem Hause vollständig vor.

: 2. Brustig", an Stelle des heutigen Leibchens"( oder Weste);besteht aus rotem Pudlstoff oder Schorlatin", d. h. aus einem krapproten Wollstoff, welcher nicht selbst erzeugt, sondern gekauft wurde.Das Brustig wird nicht in der Brustmitte, sondern unter der linken Achasel geschlossen, bildet daher über Brust und Unterleib eine glatte Fläche,die am Unterleib halbrund abschließt und hier von den Hosen: undLeibriemen verdeckt wird. Mit zwei etwa 10 cm breiten Bändern,rückwärts gekreuzt sind, sitzt es auf den Schultern auf( Tafel I, Abb. 2).Es ist um den Hals mit einem dunkelgrünen Gallun"( Seidenstoff), undan allen Seiten mit Ausnahme des von der Hose vorne verdeckten Teilesmit hellgrünem Gallun eingefaßt

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