Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde32 (1927) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde

  
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32 (1927) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde
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tragen. Die Arbeiten mit Flachs und Hanf leiten zur Anfertigung der Kleiderüber, der Bläuel ist in der Ukraine Hexenfahrzeug wie anderwärts der Besen.Weben und Bleichen wird sachgemäß beschrieben, ebenso die Wollbereitungbis zur Teppicherzeugung. Bei letzterer ist die Uebersetzung etwas unbeholfenund technologisch auch nicht ganz einwandfrei. Bemerkenswert ist die manu-elle Fachbildung bei Gürtelweberei durch mehrere Frauen mittels gemein-samen Zugriffs( im Gouv. Pensa) und die reichliche Anwendung von Trenn-stäben bei der Teppichwirkerei. Stricken und Wirken folgen in mehrschematischer Beschreibung.

Sehr aufschlußreich ist wieder der Abschnitt über Färberei und Leder-bearbeitung, zuältest das Kneten und Versäuern der Felle. Mit besondererSachkenntnis wird die Entwicklung des Kleiderschnittes verfolgt.

Bei den Südgroßrussen gibt es noch einen Mannbarkeitsritus der Ein-kleidung der Mädchen mit der poneva, einem vorn unter der Schürze nochoffenen Rock in Ergänzung zum Hemdkleid, wir merken auch die magischeBedeutsamkeit des Gürtels an. Eingehend behandelt Zelenin Haartracht undKopfputz namentlich der Frauen, welch letzterem er, einer Anregung des Re-ferenten folgend, auch eine mit vorzüglicher Sachkenntnis verfaßte Spezialarbeitin den Slavia V( 1927) 303 ff., 535 ff. gewidmet hat. Die hochstrebenden Formendes» Hornputzes« will Zelenin mit den Hönerpaaren in Zusammenhang bringen,wie wir sie bei Kriegern und in der Tracht bevorrechteter Kasten schon inalter Zeit in Europa und im Orient Glossar ::: zum Glossareintrag  Orient als Helmzier auftauchen sehen, indesscheint uns eiue solche Uebertragung kriegerischer Zier auf die Haarver-hüllung verheirateter Frauen in ihrem grundstürzenden Bedeutungswandeldoch etwas bedenklich und wir folgen Zelenin lieber in dem Gedanken derapotropäischen Anwendung eines allgemeiner bekannten paarigen Hörner-symbols. Sicher ist ihm im weiblichen Kopfputz in Ost und West einebesondere Rolle in wesentlich höherem Ausmaß zuzuschreiben, als diesReferent 1924 an seinem Material ablesen zu können glaubte( vergl. dazuauch Fr. Nopcsa, diese Zeitschrift XXXI[ 1926] 56 f.) und Zelenin urteiltsicher richtig, wenn er die Formen des Hornputzes mit breitem, quergestelltemKamm von der Verhüllung eines zweihornigen Gestells herleitet, sofern nichtvollends die Diademform und anderer Scheitelschmuck sich in den typischenAufbau des Kopfschmuckes eingepaßt hat, wie wir dies bei gewissen neuer-dings von N. Zegga eingehend beschriebenen südslawischen Typen( Tarposchu. s. w.)( Glasnik d. Ethnogr. Mus. Belgrad, I, 1926), absehen zu könnenglauben. Indes können wir um die Tatsache nicht herum, daß seit demAltertum in einem großen Kulturkreis, von den von Zelenin kurz angezogenenTocharern bis zu den Etruskern und auch noch in Spanien der einhörnige,bei ersteren auch der vielhörnige Kopfputz in gleichem Aufbau wie später beiden Slawen angenommen werden darf und daß sich der einhörnige als der zäh-lebigste von allen erwiesen hat, dem die Umhüllungen selbst bei zweihörnigemGerippe immer wieder zustreben, sofern er nicht unmittelbar selbst fest-gehalten erscheint. Auch in Mitteleuropa tritt mit dem Ausgang des Mittel-alters der zwiespältige Kopfputz zeitlich anscheinend erst an zweiter Stelleneben den>> Hennin« und man wird die osteuropäischen Trachtenentwicklungennicht ohne Berücksichtigung des Westens klären können, wie denn auch diefarbige kroatische poculica konstruktiv ganz spätmittelalterlicher Kopftracht