45
Die Habaner in der Slowakei.( Mit 5 Textabbildungen.)
Von Dr. Robert Friedmann, Wien.
Von den Habanern ist in der volkskundlichen Literatur öftersdie Rede, da ihre keramischen Produkte durch hohe künstlerischeQualität allenthalben Beachtung fanden.¹) Darüber hinaus versagtescheinbar das Interesse, und über ihre Herkunft, ihr Leben,Schicksal und sonstigen Leistungen findet man in dem gesamtenhistorischen, volkskundlich und kunstgeschichtlichen Schrifttumkaum nur Andeutungen. Wissen doch die Allerwenigsten, wodiese Leute überhaupt lebten oder leben, ferner daß es sich umdie letzten Reste der stillen Wiedertäufer des 16. Jahrhundertshandelt und daß der weitaus größere Teil ihrer Gemeinschaftheute noch in geschlossenen Höfen im freien Amerika ein arbeit-sames kommunistisches Dasein führt. 2) Und doch ist diesesAllgemeine ihrer Geschichte und Lebensweise im Grunde bedeut-samer als jene eine Seite ihrer Handwerkskunst, die zufälligdurch Sammelmöglichkeiten mehr bekannt geworden war.
Die Wiedertäufer Oestereichs hatten sich im 16. Jahrhundertin großer Zahl in dem» gelobten Lande« Mähren gesammelt, wosie relativ» goldene Zeiten<« erleben durften, da sie hier imGegensatz zu den übrigen Erbländern Oesterreichs währendeiniger Jahrzehnte unter dem Schutze des einheimischen Adelsungestört ihren religiösen Idealen nachleben konnten. Besondersaus Tirol, wo die Verfolgungen grauenhafte Dimensionen ange-nommen hatten, war der Zustrom neuer» Brüder« sehr lebhaft,doch hören wir daneben auch von Brüdern aus den übrigenErblanden sowie aus Bayern, Schwaben, Hessen und Rheinland.Im Gegensatze aber zu den schweizerischen und deutschen Täufern( gemeint sind immer nur die stillen, gewaltablehnenden Gruppen,niemals jene revolutionäre Minderheit in Niederdeutschland, andie man zunächst denkt) hielten die Oesterreicher am restlosen1) M. Haberlandt: Ueber Habaner Majoliken um 1600, in» Oesterr.'Volkskunst«<, hg. von M. Haberlandt, 1911, S. 95 f.
M. Haberlandt: Ueber Brüdergefäße in Mähren, in» Werke derVolkskunst«, hg. von M. Haberlandt, 1914, S. 51 f.
J. Tvrdy: Die Anfänge der Habanerkeramik,» Z. f. öst. Volkskunde«,1912, S. 205 f.( mit urkundl. Material); Die sogenannten Brüdergefäße inMähren, in» Z. f. öst. Volkskunde«, 1912, S. 35 f.- Ein altes Werk derHabanerkeramik, in» Werke der Volkskunst«( A. Haberlandt), I, 1914, S. 40 f.Außerdem eine Arbeit in tschechischer Sprache über Austerlitz und seineKeramik im 16. Jahrhundert.
Eine große Anzahl von Fachartikeln erschien in ungarischer, tschechi-scher und slowakischer Sprache, soll aber hier nicht einzeln zitiert werden.» Eine Habaner Töpfersiedlung in Siebenbürgen« behandelt Dr. JuliusBieltz( diese Zeitschr. XXXII, Heft 1-2). Ueber die» Habaner im Burgen-lande berichtet Payr in ungarischer Sprache.( Siehe Anhang.)
2) Robert Liefmann: Die kommunistischen Gemeinden in Nordamerika.Jena 1921.( Erweiterter Abdruck aus den Jb. f. Nat.- Oek. u. Stat. 1908.)