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seine Frau auf dem Esel umherführen. Wahrscheinlich ging demStrafantritte eine hochnotpeinliche Untersuchung voraus, um zuuntersuchen, wer den Esel zu führen hätte. Wie die Bestellungdes Esels in Darmstadt besorgt wurde, belehrt uns das folgende,vom Schultheißen und von den» Schöffen des bösen Hunderts<<an den ehrbaren Junker Hans von Frankenstein gerichtetesSchreiben:» Unsern willigen Dienst mit Fleiß zuvor. Erbaren undrestigen lieben Junker. Es hat sich bey unsern Nachbauren zuDarmstadt Zwiedracht, Zank, Uneinigkeit zwischen etlichen über-muthigen, stoltzen, pissigen und bossen Weibern Glossar ::: zum Glossareintrag Weibern erhoben, diesich haben uffgeworfen gegen yren Männern und haben sieunterstanden, yre Männer zu schlagen, undt derum auch etlichdas volbracht haben«. Sie erklären hierauf ihren» ernstlichenFürsatz, solchen Frevel zu strafen« und verlangen den Esel.')
Wie aus einem Schreiben des Bürgermeisters und Rats vonDarmstadt aus dem Jahre 1536 hervorgeht, wurde der Esel auchgebraucht, um bösartige Männer zu strafen. Die Herren vonFrankenstein machten daher auch bei Gelegenheit einmal aus-drücklich geltend, daß sie den Esel nicht nur für die bösenWeiber Glossar ::: zum Glossareintrag Weiber, welche ihre Männer geschlagen, zu stellen verbunden seien.Aehnliche Nachrichten vom Eselritt besitzt man auch aus anderenOrten Hessens, wie ein Bericht des Amtsmannes zu Homburgan die Regierung in Marburg aus dem Jahre 1593 bezeugt. 2)
Das Eselreiten wurde übrigens auch aus anderen strafbarenGründen angeordnet, so für Ehebrüchige, Meineidige und selbstfür Mörder. In Augsburg wurde im Jahre 1633 ein Trommlerwegen Mordes auf den Esel gesetzt. In der Folge wurde dasEselreiten eine volkstümliche Strafe, wobei man als Ersatz einėslebenden Esels einen Holzesel benützte. Auf einem Bilde desHauptplatzes in Rothenburg o. Tbr. aus dem Jahre 1762 siehtman bei Georgsbrunnen einen Galgen, das Drehhäuslein( Narren-kotter), den Pranger und den Holzesel. Noch im Jahre 1754kommt das Eselreiten als militärische Strafe vor. Den Soldatenwurden dabei die Hände auf den Rücken gebunden und die Füßemit Gewichten beschwert. Auch in den Schulen wurde das Holz-eselreiten eingeführt. Aus dieser Zeit hat sich noch die>> Esels-bank«, die übrigens als Sitzstrafe von einer Kirchenstrafe abzu-leiten ist, und der verächtliche Ausdruck» Esel« im Volksmundeerhalten. In der Erzählung» Der Kaiser und der Abt«, die Bürgerals Ballade behandelt hat, droht der Kaiser dem Abte, wenn er
1) Vergl. Ruinen oder Taschenbuch zur Geschichte verfallener Ritter-burgen und Schlösser( Wien 1834), I, 53 f.; Hormayr, Taschenbuch, 1840312; Kloster, VII, 829.
2) Julius Reinhard Dieterich, Hess. Bl. 1902, 1, 87-112; H. Schneider,Hess. Bl. 1914, 13, 121-123. Zur Uneinigkeit zwischen Eheleuten vergleicheRittgräff, 1., 49.
3) Vergl. das» Esel geben« oder» tragen« in der» Schulordnung derlateinischen Bürgerschule zu Wr.- Neustadt aus dem Jahre 1535« vonJ. Pötzl i. d. Bl, d. V. f. Ldke.( Wien, Neue Folge, II. Jahrg., 1875, S. 287 ff).