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liche Zusammenhang in der neuen, dem Bauer näherliegenden Sprachform istklar zu sehen Jeder Dorfarzt könnte viele Beispiele der sonderbarsten Um-benennungen von Heilmitteln und Krankheiten anführen. Auch das Kirchen-latein wird auf solche Weise eingedeutscht und manche sonst kaum verständ-liche Auszählreime der Kinder werden klar, wenn man ihr Lautbild mit demder häufig gehörten lateinischen Kirchentexte vergleicht. Es ist die Freudeam geheimnisvollen Klang der sakralen Sprache. Die katholische Kirche hatdies längst erkannt und lehnt wohlweislich jede Verdeutschung des Gottes-dienstes ab. Dazu kommen bewußte Parodien, die aber auch wieder trotzaller boshaften Satire eine gewisse Erfurcht vor dem Latein nicht verleugnen.Hieher gehören eine Reihe von Sprüchen des Spaßmachers(> Spielmannes<<)bei Hochzeiten und dergleichen. Als Beispiel für einen ähnlichen Vorgangnenne ich den Anfang eines Gasselreimes aus der Gegend von Hofgastein:Im Namen des Fuchses und des Schmausesund des Schneidergeistes Amen!Hochgelobt seind Sie und er,
Heut kemm i a amål daher...
Hier ist also ein deutsches Kirchengebet parodiert worden. Die humoristischeWirkung einer so gewollt einfältigen Sprachdeutung ist seit Quintilians>> lucusa non lucendo nicht vergessen worden. Man sehe sich einmal die ergötz-lichen Predigten Abrahams a Sancta Clara darauf hin an.
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Ein Kapitel für sich wäre die Eindeutschung fremder, fast ausschließlichslawischer Ortsnamen. Sie beleuchtet scharf die Entstehung vieler Ortssagen.Ein geschichtlich entwickelter und veränderter Name war unverständlichgeworden und heischte eine neue Deutung, die sich nun kühn über allesprachlichen und historischen Bedenken hinwegsetzt. Die Sage von derWiener pinnerin am Kreuz«( z. B. Grimm Sagen Nr. 179) ist erst spät( seit 1.20 urkundlich nachweisbar) entstanden, als letzte einer Reihe vonUmdeutungen des Namens Heiligen Crispinus, dessen Bild die ursprünglicheSäule( vor der gotischen von 1451/52) geziert hatte. ¹). Oft lassen sich dieeinzelnen Stadien derartiger Sprachdeutungen recht vollständig angeben. EinBeispiel aus Tirol teilte mir Herr Dr. F. Röck freundlichst mit:» Garderwelsch,Kauderwelsch, Krautwelsch«. Das erste Wort ist noch die reine Ortsbezeich-nung nach dem Garderbache, das zweite ein spottender Vergleich desitalienischen Dialektes dieser Gegend mit dem Kollern des Truthahnes( Kauder),das letzte eine weitere satirische Vereinfachung. Dieser Ersatz einzelnerWörter oder ganzer Wortgruppen ist bei den Volksliedern unter dem Namendes> Zersingens< längst bekannt.
Viele dieser Sprachdeutungen( siehe Beispiele unten) machen uns denpeinlichen Eindruck äußerst schlechter Witze von der Gattung der Kalauer«.Doch waren die meisten von ihnen scheinbar ernst gemeint. Es sind typische» unechte Sagen zum Beispiel im Sinne von Meiche; wir bringen sietrotzdem, weil sie zum Gesamtbild der» Volksliteratur« unbedingt dazugehören.Uebrigens haben die Brüder Grimm zahlreiche derartige Sagen in ihre Samm-lung aufgenommen.
Die meisten dieser Sagen weisen durch ihre ganze Diktion recht deutlichauf die schreibfreudige Gelehrtenwelt des 18. Jahrhunderts( Athanasius Kircher!),1) Vergl. M. Trebitsch- Stein, Wiener Sagen. Tagblatt- Bibliothek, S. 31.