Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde31 (1926) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde

  
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31 (1926) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde
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und Arbeit hergestellte Gewand, das vorher täglich getragen wurde,in der Truhe, zuerst für den Sonntag in Quarto S. Elena beiCagliari sind die Fastensonntage ausgenommen dann nur mehrfür den höchsten Festtag. Billige Fabriksware tritt an die Stelle,sie wird auch in unharmonischer Verbindung neben Bestand-teilen der Volkstracht getragen.

Am zähesten hält der Sarde an seiner schwarzen Jakobiner-mütze, aus einem Stück Filz gewebt, fest. Auch der Kleinstadt-bürger trägt sie zu seinem im übrigen städtischen Allerwelts-gewande, das in Ozieri( Mitte, Norden) nur durch eine grüneSammtweste, in Dorgali( Ost) und weiterer Umgebung durch eineschwarzsamtene, geblümte Weste gehoben wird. In letzterem Orteerschien mir kennzeichnend für die soziale Verbreitung der Volks-tracht, daß die Söhne des Großkaufmannes und der jüngste derSöhne des Gastwirtes sowie der Lehrer sich durchaus moderntrugen, während die übrigen Familienglieder an der Gesamt-tracht festgehalten hatten. Diese ist in den Hauptstädten Cagliariund Sassari gänzlich verschwunden. Von den Kleinstädten hältNuoro( Mitte) an ihr fest, noch mehr Bono( Mitte) von den Dörferndie des Gebirges, weniger der Süden. Uebrigens sieht man dortunmittelbar neben einem Dorfe, in dem alles auch wochentagsin der Tracht erscheint( z. B. Santadi) ein anderes ohne solche.Im Süden ersetzt ein grauer oder schwarzer breitkrämpiger Filz-hut das Barett. Man legt hier auf den Schutz vor der Sonnnemehr Wert, als auf das Festsitzen der Kopfbedeckung gegen denauf der ganzen Insel empfindlich starken Wind. Der Nordwest-sturm ist am meisten gefürchtet, um seinetwillen scheint manan der phrygischen Mütze festzuhalten und dreht nötigenfallsden Zipfel zum Schutze vor der Sonne auf der Stirn zum Schirmzusammen. Im Zipfel, der oft bis zur Brust herabhängt, stecktder Tabaksbeutel und ein Tuch für die Augen, die oft entzündetsind seltener für die Nase ―man hat ja Finger. Das kurze, vornebis hinunter geschlitzte Männerhemd ist weiß, meist frisch- mansieht an den Bächen die Frauen viel waschen. Bei Mann und Frauwird das Hemd auch alltags am Halse, manchmal auch an denAermeln durch große Doppelknöpfe aus Goldfiligran zusammen-gehalten.

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Außer dem Süden ist das Männerröckchen( bragas, ragas)sehr verbreitet. Es besteht aus einem 3 m langen, 30-50 cmbreitem Stück schwarzen, heimgewebten Schafwollstoffes( orbace).Dasselbe wird oben in Falten genäht, darüber wird ein hand-breiter Gürtel aus dem gleichen Stoffe verfertigt( cintola). Zwischenden Füßen geht ein anderer festgenähter Orbaca- Streif( retranca)durch, der statt eines Hosenträgers die weißleinerne Hose festhält,denn keines dieser beiden Kleidungsstücke hat Knöpfe, nie ist esan die Weste genäht. Auch der Ledergürtel hat keine Schnalle,sondern wird durch dünne Lederriemen, die durch die Gürtel-löcher gezogen werden, festgebunden. Dieses Röckchen wird oft