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Ein alter Hochzeitsbrauch im Salzkammergutund seine Beziehungen.
Von Prof. Dr. Arthur Haberlandt, Wien.
Als einen Brauch, der der Hochzeit vorangeht, führt L. Guppen-berger für das Salzkammergut die folgende Gepflogenheit an: ¹)
» Tritt ein Holzarbeiter in den Ehestand, so wird er vonseinen Kameraden am Samstag Feierabend vor seinem, Ehrentaggekreuziget. Zieht man vom Arbeitsplatz nach einer Woche vollMühe und Arbeit heim zu Weib Glossar ::: zum Glossareintrag Weib und Kind, um mit ihnen Sonntagzu halten, so wird dem Ehemann in spe ein aus Stangenzusammengefügtes Kreuz, ein Symbol des anzuhoffenden Ehe-kreuzes, auf die Schulter gelegt, daß er es heimschleppe, wobeies an Riemen- und Peitschenhieben nicht fehlt. Geht der Weg aneinem Wirtshause vorbei, so kann sich der kreuztragende Bräutigamgegen Bezahlung eines Trunkes' von dem Kreuze loskaufenkönnte er es oft auch von dem nachfolgenden Ehekreuze!«<
Ein Vergleich des Brauches mit verwandten Erscheinungenstellt den Wandel, den solche Dinge in der zivilisatorischen Ent-wicklung Europas durchgemacht haben, so vielseitig klar, daß essich wohl verlohnt, auf diese Beziehungen in Kürze einzugehen.
Wir brauchen die vom Berichterstatter humorvoll betonteAnspielung auf das Ehekreuz vielleicht nicht ganz als persönlicheHinzutat ansehen, aber es ist wohl klar, daß es sich hier aufjeden Fall um eine ganz junge durch Wortspiel vermittelteAnschauung handelt. Der Ausdruck» Kreuzigen« ruft Ideen-verbindungen mit kirchlichen Bußübungen wach, vielleicht sogarbis zum Leidensweg Christi hin, wenn wir der begleitendenMenge und der Riemen- und Peitschenhiebe gedenken, die dasGanze bildhaft ähnlich einer der zahlreichen volkskünstlerischenDarstellungen des Leidensweges erscheinen lassen.
Wir kennen zwar eine derartige Verschärfung der tatsächlichja in früheren Zeiten häufig geübten Buße des Kreuztragens³). Eshätte sie das in religiösen Dingen mit großem Feingefühl aus-gestattete Landvolk des Salzkammergutes in diesem Zusammen-hang wohl aber als Profanierung empfunden, wenn auch religiöseIdeenverbindungen bei der Gestaltung der Sitte mitgewirkt habenmögen. Die Form des zu tragenden Gegenstandes ist wohl mitSicherheit auf eine solche zurückzuführen. Der Ausdruck» Kreuzigen<<war dadurch besonders nahegelegt: wir dürfen ihn aber eherals gleichbedeutend» mit einer Marter erleiden« ansehen. Somithandelt es sich um das Tragen eines schweren Gegenstandes,verschärft durch Mißhandlungen, wie sie aus dem Vorwärtstreiben
1) Die öst.- ung. Monarchie in Wort und Bild( Oberösterreich). S. 134.2) E. Künẞberg: Rechtsgeschichte und vergleichende Volkskunde.Jahrbuch f. historische Volkskunde. I. S. 102, Anm. 247.