Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde31 (1926) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde

  
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31 (1926) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde
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weiteren Würdigung der übrigen Teile des Werkes vorgreifen zu wollen,glaube ich doch heute schon sagen zu dürfen: Es ist ein gewaltiges Wissen,das hier in packender Darstellung, in methodischer Feinheit und gewissen-hafter Verarbeitung dargelegt wird. Kein Ethnologe und kein Volkskundigerwird in Hinkunft an diesem Werk vorübergehen können, keiner wird es ohnereichen Gewinn studieren, keiner ohne aufrichtigen Dank aus der Hand legen.Fürs erste soll hier zunächst nur der erste Teil des Bandes, das WerkMichael Haberlandts, zu würdigen versucht werden. Die Ueberschrift» Die indogermanischen Völker Europas sagt weniger als gegeben wird. InWahrheit werden außer den indogermanischen auch alle die Reste vorindo-germanischer Menschengruppen, dann die ural- altaischen und die aus Asieneingewanderten Völker behandelt.

» Die großen, sich übereinander bauenden Lebenskomplexe«, diegleichen, verwandten und von Anfang an verschiedenen Kulturerbschaften,die Ausbreitungs- und Rückzugsgebiete der Kulturwellen, die Verkehrslinienund Flächen, die Ueberlagerungen und Mischungen der verschiedenen Kulturenauf europäischem Boden werden zunächst einleitend( S. 1-22) in klaren,großen Strichen aufgezeigt. Eine europäische Sprachenkarte von A. Haberlandtund eine litauische nach F. Tetzner erleichtern dem Leser noch weiter dentUeberblick.

Die eigentliche Darstellung der einzelnen Völker- und Kulturgruppenerfolgt in fünf großen Abschnitten: Ost- und Ost- Mitteleuropa( Balten, Russen,Westslawen), Südosteuropa( Südslawen, Bulgaren und eingeborene Balkan-völker), Mittel- und Nordeuropa( Germanen), Westeuropa und die südwest-lichen Halbinseln( Großbritannien und die romanischen Nationen) und endlichdie aus Asien eingewanderten Völker( Armenier, Zigeuner Glossar ::: zum Glossareintrag  Zigeuner, Juden).

Die Anordnung in der Darstellung ist dann die, daß zuerst immer einallgemeiner Ausblick auf die betreffende Völkergruppe gegeben und dieGeschichte der Volkwerdung durch die Darlegung der am frühesten erfaßbarenvorindogermanischen Bewohnerschaft und deren Ueberschichtung durch ein-wandernde jüngere Völker aufgezeigt wird. Mit absichtlicher Ausschließungaller( zum Beispiel rassenkundlicher)» Spekulationen« wird das gesamte bisin unsere Tage herauf als gesicherter Wissensbesitz eroberte Erkenntnis-material hier zu völlig neuer, weiter Ueberschau verarbeitet, wobei manchüberraschender Tiefblick auch auf Einzelerscheinungen prähistorischer undhistorischer Epochen soweit sie eben für das Werden der Völker wesent-lich sind abfällt. Der großzügigen, ethnologischen Ueberblickszeichnungfolgt dann jeweils die rein volkskundliche Feinmalerei der einzelnen Volks-bilder. Sie zeigt die anthropologischen, rassenkundlichen sowie anthropo-geographischen Grundlagen ins Kleinbild projiziert, ferner Stammesgeschichte,Wirtschafts- und Nahrungsverhältnisse, Siedlungs- und Wohnweise, Trachtund Volkskunst, Mythus und Volksglaube, Kult, Festbrauch und Lebenssittensowie einen Blick auf die Volksdichtung; alles in mehr oder weniger aus-führlicher Detailschilderung, immer aber mit voller Beherrschung und Ver-arbeitung des gesamten einschlägigen Fachschrifttums.

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Diese nebeneinander gestellten, in wohldurchdachter und methodischvorzüglicher Anordnung durchgeführten volkskundlichen Darstellungen derEinzelvölker Europas geben schon durch ihr Nebeneinanderstehen jedem