Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde31 (1926) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde

  
Jahrgang 
31 (1926) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde
Einzelbild herunterladen
 

57

Pannonien bekannt geworden. Der Ausdruck pannonisch deckt sich also indiesem Falle nicht mit dem geographischen Begriff.

Das derzeitige Zusammenvorkommen eines weißen Frauenkopftuchesmit verschiedenartigen Substrukturen und sein Vorkommen auch ohne Sub-strukturen( Nordalbanien) weist, wie mir scheint, ziemlich klar darauf, daßhier eine eventuell schon im Altertum erfolgte Ueberschichtung von, genetischverschiedenen, Kopfputzgegenständen nämlich verschiedenen, Käppchen,bedeckten Untergestellen und Kopftüchern vorliegt. Das so eine Ueber-schichtung zuweilen eintritt, glaube ich durch die Beobachtung belegen zukönnen, daß die männliche, kutzowalachische Bevölkerung Bulgariens in denSommerdörfern normaler Weise weite Hosen( Sarval) trägt, bei festlichenGelegenheiten aber unter diese in der Frühe einen Fustan anzieht und dieŠarval erst beim Beginne der eigentlichen Festlichkeiten( Mittags- oderNachmittags) ablegt. Sogar enganliegende Wollhosen habe ich normalerWeise bei den Kutzowalachen unter den Šarval getroffen, sodaß jedereinzelne dieser Nomaden hiedurch zu einer wahren Musterkarte der Volks-trachten des Balkans wird.

Wegen weiterer Details muß ich auf meine Monographie Nordalbaniens

verweisen.

Literatur der Volkskunde.

( Die Besprechungen rühren, sofern nicht ein anderer Referent genannt ist,von der Schriftleitung her.)

Michael Haberlandt: Die indogermanischen VölkerEuropas.

Bei Strecker& Schröder in Stuttgart ist der II. Band der bekannten, vonGeorg Buschan herausgegebenen» Illustrierten Völkerkunde<in völlig neuer, gänzlich umgearbeiteter und wesentlich vermehrter Auflage,man darf wohl sagen als ein völlig neues Werk, vor kurzem erschienen.

-

Der gewaltige Umfang dieses Bandes läßt sich schon aus folgendenZiffern absehen: XXIV und 1154 Seiten Text, 43 Tafeln, 708 Abbildungenund 6 Völker-, Sprachen- und Hausformenkarten In der Tat enthält derumfangreiche Band den man leichter» handhaben würde, wenn er inmehrere Bände gebunden wäre eigentlich vier gesonderte, selbständigeWerke. Sie sind unter der Gesamtüberschrift Europa und seine Randgebiete<zusammengefaßt und behandeln: 1. die indogermanischen Völker des Erdteiles( S. 1-303) durch Michael Haberlandt, 2. die volkstümliche KulturEuropas in ihrer geschichtlichen Entwicklung( S. 305-658) durch ArthurHaberland t, 3. Kaukasien, Ost- und Nordrußland sowie Finnland( S. 659-1022) durch Arthur Byhan und 4. die MittelmeerlandschaftenNordafrikas und die Kanarischen Inseln( S. 1023-1059) durch ArthurHaberlandt. Ein ausführliches Literaturverzeichnis, Namen- und Sach-register( S. 1060-1154) beschließt das Werk.

Umfang, Ausstattung( ein vorzüglich ausgewähltes, zum Teil sehr wert-volles Bildmaterial, Karten, die an sich bedeutende Neuerscheinungen dar-stellen, und eine sehr wohlgelungene Reproduktion), vor allem aber die Namender Verfasser künden auf den ersten Blick ein» Standard Work« an. GenauereEinsichtnahme bestätigt diesen ersten Eindruck auch sachlich. Ohne einer