Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde31 (1926) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde

  
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31 (1926) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde
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Schiffbrücken verwendet wurden, spielten die Tscheiken und Nassarn alseigentliche Streitschiffe eine große Rolle. Wir finden sie selbstverständlichauch in den Kriegen des Prinzen Eugen gegen die Türken und es heißt indem» Journal de la marche en Bosnie«( 1697):» L'infanterie a passé la Savedans des schaiques et schanacles<<. 1)

Wir finden Tscheiken aber auch im österreichischen Erbfolgekriegverwendet; 2) so wird in diesem Kriege die Verwendung von drei öster-reichischen mit je 3 Geschützen bewehrten Tscheiken im September 1742erwähnt, während im Mai vorher von zwei bayrischen Tscheiken, die mit4 und 7 Stückeln bewaffnet waren, die Rede ist. 3) Die Verwendung dieserFahrzeuge auf der oberen Donau erfolgte aber uur ausnahmsweise; bloß imJahre 1741 finden wir noch, daß die Donau bei Wien durch 23 Tscheiken gegendie längs des Stromes vorrückenden Franzosen und Bayern gesperrt war. 4)

Für die Bemannung der Tscheiken bestand in der österreichischenArmee ein eigener aus drei Schifferkompagnien gebildeter militärischerTruppenkörper, als dessen Brigadier im Jahre 1788 der General von Magde-burg aufscheint. In diesem Jahre wurden zum Ausmarsch gerüstet: 1 Doppel-tscheike mit 8, 8 ganze Tscheiken mit je 6 und 11 halbe Tscheiken mit je4 Kanonen, ferner 12 Patrouilletscheiken ohne Geschütze. 5)

Das Tscheikistenbataillon, welches ursprünglich in Gran, Komorn undRaab lag, wurde im Jahre 1763 im südöstlichen Teil des Bácser Komitats alsGrenzmiliz seẞhaft gemacht und es bildete die Gegend um die Stadt Titelnoch bis zum Jahre 1872 einen Teil der österreichisch- ungarischen Militär-grenze, jenes eigenartig organisierten Soldatenlandes, das in einzelnen Tellendurch dreieinhalb Jahrhunderte bestand und in der Zeit seiner größten Aus-dehnung den Südrand des Staates von Dalmatien bis zur Bukowina umfaßte.

Ein jeder» Gemeine Mann« erhielt Grund und Material zur Erbauungeines Hauses und dazu 12 Joch Acker und 4 Joch Wiesen, durch derenBewirtschaftung er für sich und seine Familie den Lebensunterhalt decken sollte.

Der Distrikt der Tschaikisten war in drei Gemeinden, Kompagnien,geteilt. In einer jeden befand sich ein Hauptmann als Kommandant derMilizen und zugleich als Vorstand der Gemeinde und Leiter der Verwaltung.Ueber den drei Kompagnien und Gemeinden, die das Bataillon bildeten,stand ein Major, der neben dem militärischen Kommando über das Bataillondie Oberleitung der Verwaltung im Distrikte zu besorgen hatte. Er unterstanddem Generalkommando in Peterwardein.

Im Frieden hatten die Tschaikisten mit ihren Schiffen auf der Danauund der Save im Vereine mit zahlreichen Wachtposten an den Ufern für dieSicherung der Grenze zu sorgen.")

1) Angeli, II. Band der Feldzüge des Prinzen Eugen von Savoyen,Wien 1876, Verl. d. k. k. Generalstabes, S. 85.

2) Mitterwieser, a. a O., S. 20.

3) Müller, Die militärischen Wassertransporte in Kurbayern, 4. Heft derDarstellungen aus der bayrischen Kriegs- und Heeresgeschichte<<.4) Brinner, a. a. O., 134.

5) Ebenda, S. 284.

6) Mollinary, 46 Jahre im öst.- ung. Heere. Zürich 1905. Verl. OrellFüssli. S. 3.