Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde31 (1926) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde

  
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31 (1926) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde
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Auch die Finnen übten diesen Brauch, wie aus dem Volks-epos» Kalewala« hervorgeht. In der 23. Rune, Vers 175 ff., wirddie junge Frau bei der Aufzählung ihrer häuslichen Pflichten er-mahnt:» Kommst du darauf in die Stube/ Komm selbvierte duins Zimmer: In der Hand ein Wasserfäßlein/ In dem Arm einBlätterbesen In dem Mund ein Feuerhölzchen/ Selber bist dudann die vierte.«( Uebertragung von Schiefner, 1852.) ¹)

Die in den» Geañmäulern« und dem» Maulauf« dargestellteArt den Kienspan zu halten, wird also bei Olaus Magnus in Wortund Bild als tatsächlich geübter Brauch für die Nordvölker im16. Jahrhundert erwiesen und im» Kalewala« auch für das finnischeNachbarvolk bezeugt.

Man darf annehmen, daß» Geañmaul« und» Maulauf<< eineNachbildung jener urtümlichen Art der Beleuchtung darstellenund das einstige Vorkommen des Brauches auch für unsereGegenden beweisen. Der Tonkopf aus dem 13. bis 14. Jahrhundertbildet dann den ältesten Beleg dafür.

Die Fundstätten in Oberösterreich und Steiermark, die ver-mutlich als Reste eines ursprünglich weiteren Verbreitungsgebietesin den Alpen aufzufassen sind, 2) dürfen wohl mit dem bei Nord-germanen und Finnen in alter Zeit bestätigten Brauche in Zusammen-hang gebracht werden. Vielleicht können künftige Forschungendie fehlenden Zwischenglieder einfügen.

Die Bauernhausformen im deutschen Volksgebiet.Erläuterungen zur beigegebenen Hausformenkarte.*)Von Arthur Haberlandt, Wien.

Eine Karte der Bauernhäuser im deutschen Volksgebiet hat, was kaumbesonderer Darlegung bedarf, auf bewährten Vorarbeiten aufzubauen.W. Peẞlers Hausformenkarte des Deutschen Reiches ist bis heute kaumnoch in ihrer Anlage veraltet und wird zudem durch einen vorzüglichenText erläutert, auch A. Dachlers Karte kann für das deutsche GebietOesterreichs und der angrenzenden Länder als grundlegend angesehen

1) Vers 179 lautet auch in den Originalrunen in Finnisch- Karelienund Ingermanland:» tutclikku hampahissa«, das heißt:» Feuerhölzchenzwischen den Zähnen«. Noch heute dürften die Frauen in den östlichenGegenden Finnlands gelegentlich zu diesem Auskunftsmittel greifen. Freund-liche Mitteilung U. Holmbergs, Helsingfors.

2) Auch in den Westalpen existieren solche Kienspanhalter, doch wares leider vorläufig noch nicht möglich, näheres darüber zu erfahren.

*) Die Karte wurde von der Verlagsanstalt Strecker und Schroederin Stuttgart, der auch an dieser Stelle für ihr liebenswürdiges Entgegen-kommen gedankt sei, aus der» Illustrierten Völkerkunde«, herausgegebenvon Dr. Georg Buschan, Bd. II, 2, zur Verfügung gestellt, wobei auf die dortgebotene ausführliche entwicklungsgeschichtliche Darstellung( S. 404-484)verwiesen sei.