Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde31 (1926) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde

  
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31 (1926) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde
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hochgeschätzt wird, den Teppichen. Und nun im Anschluß daraneine notwendige Feststellung. Die vom Mittelmeer auf die Ufer-gebiete des atlantischen Ozeans übergreifende wissenschaftlicheGesinnung weiß merkwürdigerweise nichts von jener Denkmäler-gruppe, die wichtiger als das Möbel für alles, der Teppich, ja seineVoraussetzung und der eigentliche Träger der Entwicklung ist,das heißt den Teppich mit im Gefolge hat: vom Zelte. Und dochhat gerade die» buddhistische Spätantike« des Tarimbeckens dasTor aufgeschlagen zur Erforschung der Zeltkunst. Das ist dereigentliche Wert der neuen Entdeckungen. Nur darf man danneben nicht blind nur das in die Museen schleppen, was durchmenschliche Gestalt im Sinne Indiens oder Chinas dargestellt wird,sondern muß als Fachmann vorgebildet sein und mehr sehenals der mit Scheuklappen versehene Humanist.

Bei Entdeckung der mittelasiatischen Zeltkunst rechnen wirauf die Mitarbeit der Ethnologen ebenso, wie in Europa bei derAuffindung der verlorenen Spuren des Holzbaues. Ich habe dortan der Hand der Quellen und den aus den letzten Jahrhunderten,in Norwegen sogar aus dem Mittelalter erhaltenen Kirchen in Holznachweisen können, daß sie nur der Ausklang einer großen Blütesind, für deren augenscheinlichen Nachweis wir jetzt das Oseberg-schiff mit seiner Kunstladung in der Hand haben.¹)

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Dadurch, daß die Volkskunde nunmehr auf geschichtlichemBoden gestellt werden soll, wird sie auf einzelnen Gebieten mitder Kunstgeschichte derart Hand in Hand arbeiten, daß beideFächer gelegentlich kaum zu trennen sein dürften. Das gilt invielleicht noch erhöhterem Maße auch für Asien. Ich habe dortin meinem Werke» Altai- Iran und Völkerwanderung«, 1917 denBoden für die auf die Zelt- und damit Hand in Hand gehendeMetallkunst vorzubereiten gesucht. Für Westasien haben meineWerke über Mschatta die Festschrift zur Eröffnung des KaiserFriedrich- Museums in Berlin und Amida, vor allem aber meinArmenienwerk vorzuarbeiten gesucht. Ich will hier nicht dieIndoarierfrage hereinziehen und nur soviel sagen, daß in West-asien der Rohziegelbau und damit im Zusammenhang die Kuppelüber dem Quadrat als Bauformen entscheidend sind, für die Aus-stattung aber die Verkleidung dieses wenig haltbaren Rohstoffesdurch Fliesen, Stuck, Holz, Metall, nicht zuletzt aber auch durchvon der Zeltkunst gelieferte Behänge. Dadurch ist in der Aus-stattung solcher Verkleidungen ein derartiges Gemisch von Zier-formen entstanden, daß. darin am besten der Einstieg in dieReichhaltigkeit der west- und mittelasiatischen Zierkunst gefundenwird. Man lese darüber das Nähere in den angeführten Werkennach. An der Erfassung des Wesens, das in dieser Ueberfüllevorliegt und in das nur durch entwicklungsgeschichtliches Aus-

1, 1926.

1) Vergl.» Belvedere« V, 1924 und» Slavia« III, 1924. Dazu» Der Pflug<<