Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde30 (1925) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde

  
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30 (1925) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde
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habe, vermehrt sich nach alter Erfahrung gerade eine volks-kundliche Sammlung doch bekanntlich wie ein Kaninchen.

Was sich dem Beschauer dort bisher bietet, ist eine Reihevon Stubeneinrichtungen, die zwischen den kleinen vergitterten,laubumhegten Fenstern unter niedriger Decke durchaus>> echt<<wirken. Es ist ja eine Irreführung, von einem» Schlößchen« zusprechen; es ist ein sehr rasch, wenn auch solid aufgeführter,ganz bescheidener Landbau des Jahres 1612, also in den schlichtenFormen der zierarmen späten Renaissance, und selbst sein einzigergrößerer Saal im zweiten Stock leistet auch für unsere Zweckegute Dienste.

Eine» Pinzgauer Stube«<, an ihren ganz bemalten Möbelnkenntlich, die oft von Tiroler kirchlichen Wandermalern geschmücktwurden, ist durch eine ungemein lehrreiche Folge von Oelstudienbesonders sehenswert. Sie hat ein Pinzgauer bäuerlicher Ab-stammung, Maier von Wald( i. P.), aus dem eingeborenenVerständnis für seine Heimat gemalt, Häuser in ihrer charakte-ristischen Lage, das Innere samt allem Hausrat; es gibt garkeinen besseren Einblick als diese auch malerisch guten Bilder.

Die benachbarte» Pongauer Stube« ist durch reich ge-schnitzte Rokokomöbel, Geschenk eines Gasteiner Museums-freundes, ausgezeichnet. Sie bekunden nicht nur den älteren undgrößeren» kulturellen« Reichtum der arbeitsamen Goldbaugegend,sondern auch die unbestreitbare Tatsache, daß man nicht voneinem» gesunkenen Kulturgut« sprechen kann, wo es sich umurwüchsige und durchaus aus eigener Empfindung quellendeAeußerungen ländlicher, wenn auch>> stilistisch« gerichteter

Kunstarbeit handelt.

Der für Oesterreich bahnbrechende Volkskenner MichaelHaberlandt, dem wir mit diesen Grüßen unseren Dank und dieherzlichsten Glückwünsche darbringen, hatte deshalb völlig recht,jüngst an dieser Stelle Verwahrung einzulegen gegen die irrigeAuffassung, als» sinke Kulturgut«, wenn es in bäuerlichen Kreisenverwertet wird. Freilich sind die Rokokoschnörkel unsererPongauer Möbel keine Pongauer, sondern eine aus Frankreicheingeführte Erfindung. Oder eher südlichen Einflüssen zuzuschreiben,da unsere Alpenländer seit dem 17. Jahrhundert naturgemäß densüdlichen Winden mehr ausgesetzt waren, als im verkehrs-ärmeren Mittelalter. Und gerade jene südliche Kirchenstilistik hat

durch die Wanderung tirolischer Kirchenmaler auch aufdas salzburgische weltliche Hausgerät und Möbelwerk Einflußgewonnen. Immer indes in ganz urwüchsiger, weil nichtschulmäßiger, sondern völlig freier, unerzwungener Ver-arbeitung.

Die nebenan gelegene» Webstube« bringt uns ja leichtin Erinnerung, wie gerade die ländliche Weberei und Stickereikeineswegs bloß eine miẞverstandene und verderbte Stadtkultur,