Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde30 (1925) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde

  
Jahrgang 
30 (1925) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde
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treidbehältniß, Stall, Stadl.. Der ordentliche Aufenthalt ist in derRauchstube, eine hölzerne, schwarze, mit mehreren kleinen Fenstern ohneGitter versehen. Einige sind in der ordentlichen Fensterhöhe, andere aberhöher oben angebracht. Erstere haben Glasscheiben, welche zum Vor- undZurückschieben gerichtet sind; sie brauchen also zu ihren Fenstern keinEisen. Die oberen aber sind nur als Rauchlöcher zu betrachten, miteinem hin- und herzuschiebenden eingepfalzten Brettchen versehen. Umdie Wände sind Bänke befestigt, in einer Ecke ist ein Tisch mit Schubladu. etliche Stühle. In dieser Schublade befindet sich das Brod, etliche Gabelnund Löffel für die Weibsbilder, dann die Löffel für die Knechte und Bauerstecken an den in die Wand genagelten Riemchen. Messer und Gabeln hatjedes Mannsbild selbst beständig bey sich, so wie die Weiber Glossar ::: zum Glossareintrag  Weiber das Messeran ihren Gürteln tragen. Dann ist auch ein kleines Tischtuch darin, welchesgroß genug ist, wenn nur die Schüssel darauf Platz hat und soviel hervor-ragt, daß auch die Löffel darin abgewischt werden können. Endlich wirdin diese Tisch- Schublade( welche sie insgemein» Tischtru he n« nennen)auch die Schüssel mit dem Bleibling, d. i. die übrig gebliebenen Speisenzur Disposition der Bäuerin aufbewahrt.

Der Hert mit einem Rauchmantel ist tiefer als sonst in Küchen.Daher hat die kochende Bäuerin eine Vertiefung des Fußbodens, welchessie die Hertlucken heißen. Ein Kaspelschaff und Sau- Ofen, das istein Kessel, worin für die Schweine gekocht wird. Unter der Ofenbank( vielmehr Backofen, der seitwärts vom Hert meistens angebracht ist) istdie Hühnersteige; endlich am Oberboden befindet sich ein Geländer,worauf Holz zum Dörren geleget wird. Die Stubenthür ist wagrecht in zweyTheile getheilt. Der obere bleibt während des Heitzens wegen Rauch, undLuftzug von da durch Hochfenster, offen, wenn dieß abernicht mehr nöthig ist, geschlossen. Die untere ist immer zu, um denSchweinen den Eintritt in die Stube zu verwehren.

Wird in dieser Rauchstube nach Abheitzung alles geschlossen, soist es darin recht lange und anhaltend warm. Hingegen während desHeitzens muß alles mit dem halben Leib gebückt gehen, indem der Rauchgleich einer dichten Wolke einem Aufrechtstehenden bis in die Mitte desLeibes reichet.

Die sogenannte Kachelstube hat ihren Nahmen von einem Ofen, deraus kleinen Stücken, die man Kachel nennt, zusammengesetzt ist, alsoweil ein Kachel- Ofen darin ist. Diese Stube ist das Galla- Zimmer derBauern, worin sie gewöhnlich nicht wohnen, sondern nur schlafen. Darinbefinden sich ihre Truhen mit Kleidungen und anderen besseren Habselig-keiten, darum die Fenster mit Gittern versehen sind.<<

Sind wir so über die Lavanttaler Rauchstuben vorzüglichunterrichtet man wünschte nur für mehrere Gebiete sogenaue Aufzeichnungen! so vervollständigen sie auch dasBild, das wir uns für unsere augenblickliche Frage machenwollen, deutlich. Denn da das jenseitige Koralm- Gebiet nochheute dichtestes Rauchstubenbereich ist, so zeigt sich unsjetzt schon für die Wende des 18. und 19. Jahrhundertes einnahezu ganz Kärnten sowie das obersteirische Murtal bedeckendesund über die Koralpe nach Mittelsteier hereinreichendes ge-schlossenes Gebiet, in dem das Rauchstubenhaus der fast alleinherrschende Typus des volkstümlichen Hauses ist. Die Frage, obwir es hier also mit einer mehr oder minder vereinzelten Er-scheinung oder mit einer weitverbreiteten, alten Wohntype zu tunhaben, ist damit allein schon entschieden. Doch seien die übrigenBerichte, die uns für die ost-, mittel- und untersteirischen Gebietezur Verfügung stehen, der Vollständigkeit halber auch noch angeführt.