Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde30 (1925) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde

  
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30 (1925) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde
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Für s ist im Bairischen sch eingetreten im Anlaut vor Konsonanten,Schlange, Schmerz, Schnur, schwarz, Stein, spielen( die neuhochdeutscheSchreibung ist mit st, sp im Rückstand), inlautend vor p ist allgemein sch,Haspel, raspeln, Knospe; inlautendes st ist als st vertreten im größten Teiledes Bairischen, als scht im westlichen Südbairisch( Mischt, luschtig). DerFamilienname Aspöck kann als Asch- böck- Aschbacher erklärt werden, AschEschenwald, vergl. Aschau, Aschach, für das inlautende-schb- konnte man spschreiben, weil man schriftsprachliches sp, Knospe, Haspel, mit schp sprach.Der Ortsname Aspach ist ein Sammelname asp- ach Espengehölz, vergl. Staudach,der Name Aschbach kann für Aspach stehen, es müßte für jeden einzelnenFall untersucht werden, ob ein Bach gemeint ist. Der Übergang eines Genetiv- sin sch liegt vor in Namen wie Wiesenschwang====== Wisineswang, Hamischwang,Eberschwang, Hörschwang.

1 ist im Südbairischen erhalten, im Nordbairischen gilt, wie es scheint,allgemein, daß 1 nur im Wort- und Silbenanlaut vor Vokalen als 1 steht, lābLaub, ölend Ellend, hondla Händler, ferner wenn es Silbenträger ist, 1, gsind! Ge-sindel, engl Engel, sich] Sichel, huln hudeln; dagegen hat es nach Vokaleneine geänderte Bildung, wenn es zur selben Silbe gehört. Man findet zumBeispiel in Ober- und Niederösterreich, daß dieses 1 nach u, o, å als i er-scheint, nach altem ä als ü und mit ë, e, ö, ï, ie, ü, üe zu ö, ö, ü verbundenist, vergl. guin Gulden, schui Schule, goid Gold, wåid Wald, häü häl, glatt( hali, häle), göd Geld, kön Kelle, hön Höhle( hoi hohl), hüf Hilfe, Kiel,hüsn Hülse, kühl( alt küele). Die Veränderungen, welche 1 in dieserStellung erleidet und an dem vorausgehenden Vokal bewirkt, sind nichtüberall gleich; so wird auch der Vokal, der für silbisches-1 nach Lippenlautensteht, verschieden bezeichnet, gipfü, gipfö, gipfl Gipfel, einige Gebiete haben-1 auch nach Gaumenlauten geändert, kuchö für kuchl Küche, engö Engel undEnkel( im Rottale in Niederbayern). Widauer, Widmoser, Wiemoser ent-halten mundartliches wüd wild, Eibl= Albl.

Mit r verhält es sich in entsprechender Weise: Südbairisch ist es er-halten, im Nordbairischen nur vor Vokalen, dagegen ist es vokalisiert, wennes nach Vokalen stand und mit ihm zur selben Silbe gehört, ia, ea, oa, ua,vergl. die Beispiele Kirche, Bier, für, führen, Kerze, Ferse, Hörnlein, hören,Bart, Haar, Korb, vor, Durst, Fuhre, leer( la), Bauer, Feuer, dagegen närrisch( narisch), Lehrer. Der Familienname Schadinger Schardinger, Schärdinger.Dem entsprechend ist im Mittelbairischen auch die Verkleinerungssilbe erlals al( pl, sl) vorhanden; im Südbairischen gibt es erl mit gesprochenem rdann, wenn das verkleinernde- an Stämme auf-er tritt: Peterl, Schwesterl,Käfer, Ackerl, Wasserl, Federl, Fensterl, Messerl, Zuckerl. In der zwischender Schriftsprache und Mundart stehenden Umgangssprache hört man imNordbairischen auch-erl mit r, Brüderl und mit dem von solchen Wörternausgegangenen erl Pepperl, Hannerl, Buberl, Mäderl, Weiberl Glossar ::: zum Glossareintrag  Weiberl, Hunderl,Katzerl, Vögerl, Staberl, Stangerl, Steckerl. Das erhaltene r ist Zungenspitzen- roder Zäpfchen- r. Letzteres ist gebietsweise nicht mehr gerollt, es hat sich zumBeispiel rn im Zillertale( Tirol) zu ņ entwickelt, hiŋ Hirn, hoan Horn, dies ņ istjung und hat den vorausgehenden Vokal nicht nasaliert. Man kann den Orts-namen Hygna in Tirol bei Brixlegy versuchsweise so erklären, daß man