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BIBLIOTHEK DES VEREINES:FÜR ÖSTERREICHISCHE VOLKSKUNDE
Wiener Zeitschrift für Volkskunde.
( Vormals„ Zeitschrift für österreichische Volkskunde“.)
Herausgegeben vom Verein für Volkskunde in WienVIII. Laudongasse 17
mit Unterstützung der Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft.Geleitet von Prof. Dr. M. Haberlandt.
29. Jahrgang 1924.
Heft 5.
Sankt Florian.
Von Prof. Dr. Rudolf Much, Wien.
Von den österreichischen Klöstern ist das Augustiner Chorherrenstiftzu St. Florian bei Enns, gegründet 1071, zwar nicht das älteste, aber es stehtin dem Ruf, mit seiner Örtlichkeit, seinem Namen und Schutzheiligen an dieältesten Überlieferungen des heimatlichen Christentums anzuknüpfen. Denndieser ist nach der Passio Sancti Floriani ein römischer Soldat, der im Jahre230˚ n. Ch. bei einer Christenverfolgung wegen seines standhaften Glaubensauf Geheiß des Statthalters Aquilinus bei Lauriacum, dem jetzigen Lorch, inder Enns ertränkt wurde.
Die Zuverlässigkeit dieses Berichtes ist indes von verschiedenen Seitenbestritten worden, zuletzt in dem Buche von Dr. Konrad Schiffmann,Das Land ob der Enns S. 10-13, wo zudem ganz neue und überraschendeBehauptungen über den Ursprung des Floriankultes mit großer Bestimmtheitvorgetragen werden. Dieses Buch ist seit 1922 bereits in 2. Auflage erschienen,also jedenfalls auch sehr verbreitet, vor allem natürlich in den Kreisen vonLaien, denen gelehrtes Beiwerk leicht Eindruck macht und die es nichtbeurteilen können, ob sie es bei seinem Verfasser wirklich mit einem sach-kundigen und gewissenhaften Führer zu tun haben.
Schiffmann meint:» Hätte es wirklich eine Tradition von einem LorcherMartyrer namens Florianus gegeben, so müßten wir wenigstens in Laienkreiseneinen Fluran oder Fluren erwarten, und es wäre ganz unverständlich, daß derHeilige und sein Name gar keine Rolle spielte«. Dabei ist richtig, daß bei alterÜbernahme in einem Namen Florianus das ō geradeso behandelt worden wärewie in anderen Lehnwörtern aus dem Lateinischen, das heißt den Wandel zualthochdeutsch u, neuhochdeutsch au erfahren hätte. Aber die Deutschenhielten sich bekanntlich auch als Christen sehr lange an ihren ererbtenheimischen Namenschatz und bei Heiligennamen haben sich deren lateinischeFormen oftmals, was ja sehr begreiflich ist, aus dem kirchlichen Gebrauchwieder hergestellt. Ist doch auch Merge, die lautgesetzliche Entwicklung ausMaria, durch diese seine Grundform wieder ganz verdrängt worden. Wenn sichSchiffmann aber darauf beruft, daß uns auch unter den welschen Namen desSalzburger Verbrüderungsbuches kein Florian begegnet, so ist dazu zu sagen,daß auch die Romanen damals die Kinder nicht auf die Namen von Heiligen