Library / Self-PublishedÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde29 (1924) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde

  
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29 (1924) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde
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auf die griechische Insel Ios. Dort fand ein Holländer im Jahre 1771 aucheine antike Inschrift, die auf Homers Grab Bezug hat( s. darüber L. Roß,Reisen auf den griechischen Inseln des Ägäischen Meeres, 1840, neu gedrucktals Band I der Klassiker der Archäologie, Halle 1912, S. 133 ff.). Bei Münsterliegt ein steinzeitliches Megalithgrab, das nach einem Verslein darüber dasGrab eines Hunnenkönigs Sorwold sein sollte( s. W. C. Borlase, Thedolmens of Ireland, III, S. 783). In diesem Falle hat sichtlich die volkstüm-liche Bezeichnung solcher Gräber als Hünengräber den Gedanken auf dieHunnen gelenkt, wie das öfter vorkommt.

Schließlich gibt es auch Legenden, die zwar auf Tatsachen basieren,aber nach einiger Zeit nicht mehr mündlich weitergegeben wurden, sondernnur mehr literarisches Leben führten oder erloschen. So nennt die Legendeals ersten Bischof von Straßburg einen Germanen namens Arbogast( um 600),der bei der Kirche St. Aurelien begraben worden sein soll. Dort wurdenwirklich germanisch- christliche Gräber dieser Zeit gefunden, von denen eineseinen Tonziegel spätrömischer Technik mit dem Stempel Arboastis episcopusergab( Anzeiger f. elsäss. Altertumskunde 1916, S. 806). Die Tradition, die nochim 4. Jahrhundert die Gräber der Apostel Petrus und Paulus in die Kirche SanSebastiano in Rom verlegte, ist später erloschen. Daß sie Richtiges enthielt,bezeugten Ausgrabungen, die in der Kirche ein Hypogäum mit Gräbern bloẞ-legten und Inschriften, aus denen eindeutig hervorgeht, daß hier tatsächlicheinmal die Gebeine der beiden Apostel aufbewahrt worden waren( M. Maas,Die Gräber der Apostel Peter und Paul an der Via Appia, Kunstchronik undKunstmarkt 1920, S. 989 ff.).

Wie die vorstehenden Ausführungen zeigen, kommt volkstümlicheÜberlieferungen, die sich mit vorgeschichtlichen Denkmälern beschäftigen,mitunter doch mehr als bloßer Kuriositätswert zu und die Altertumsforscherwerden gut tun, an ihnen nicht gleichgiltig vorbeizugehen. Auf jeden Fallaber sollten sie als Denkmäler volkstümlichen Geisteslebens sorgfältig ver-zeichnet werden, umsomehr, als die Zeit nicht mehr ferne ist, wo solcheÜberlieferungen im Volke völlig erloschen sein werden.

Zur Ortsnamenforschung.

Alunan Byen

Anläßlich der Abhandlung von Primus Lessiak» Die kärntischen Stations-namen«. Mit einer ausführlichen Einleitung über die kärntische Ortsnamen-bildung. Erschienen im 112. Jahrgang der» Carinthia«. Klagenfurt 1922.Von Anton Mayer, Zwittau.

( Schluß.)

Trotzdem in den letzten Jahrzehnten hervorragende Gelehrte, wie RudolfMuch( deutsch- keltische Beziehungen) und Primus Lessiak( deutsch- slawischeBeziehungen, besonders in» Alpendeutsche und Alpenslawen in ihren sprach-lichen Beziehungen«, Germ.- rom. Monatsschrift, Bd. 2, 1910), die Ortsnamen-forschung um mustergiltige Arbeiten gerade in dieser Richtung bereicherten,haben sich die Slawisten darum wenig gekümmert. Noch im Jahre 1914erschien in den Sitzungsberichten der Wiener Akademie( 176./6. Band) eine