Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde29 (1924) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde

  
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29 (1924) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde
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> parstuga, die gewissermaßen eine Verdopplung des einfachen Wohnhausesdarstellt, die aber nicht mehr bis zum First offen ist. Der Eingang befindetsich hier in der Mitte der Langseite des Hauses. Durch einen solchen Zubauan einer Giebelseite werden auch Doppelscheunen und Speicher gebildet.Dieses Prinzip, einen Doppelkomplex zu schaffen, der später zu einer Einheitverschmäzt, ist von einschneidender Bedeutung für die Entwicklung desschwedischen Bauwesens.¹) Auch die» ryggåsstuga« wurde oft durch Hinzu-fügung eines Speichers an einer oder beiden Giebelseiten vergrößert undbildete dann den charakteristischen südgötischen Typus. Diese Speicherheißen» härbre«( von Herberge) und enthalten auch meist Gast- oder Gesinde-betten. Die Zubauten überragen die niedrige altertümliche Wohnstube, dienur mit dem mächtigen Schornstein in die Höhe strebt, um ein Beträchtliches,und der ganze Komplex bietet einen malerischen Eindruck. Dalsland, dasviele Altertümlichkeiten bewahrt hat, bildet die Südgrenze für Pfostenspeicherund» kubbestolar«, eigenartige Stühle, die massiv aus einem Baumstammgeschnitzt sind.

In dem angrenzenden Studierraum befand sich das Bauarchiv, daszirka 1000 Photographien, Pläne und Zeichnungen in topographischer Ordnungenthielt. Dieses Material ist aber nur ein Teil der viel größeren Sammlungdes Nordischen Museums in Stockholm, die ganz Schweden umfaßt undunter der Leitung S. Erixons zustande gebracht wurde. Hiedurch ist eineüberaus wertvolle Grundlage für die schwedische Hausbauforschung und fürvergleichende Studien geschaffen. Es dürfte kaum ein Land geben, dasdiesem Werk etwas Ähnliches an die Seite stellen könnte.

( Schluß folgt.)

Hofrat Prof. Dr. V. Jagić

Im Sommer 1923 ist der Nestor der wissenschaftlichen Slawistik HofratDr. V. Jagić, Ehrenmitglied und langjähriger Vizepräsident des Vereines fürVolkskunde, im hohen Alter von 86 Jahren aus dem Leben geschieden.Unmittelbar an Franz Miklosich, den Begründer der slawischen Sprach- undAltertumswissenschaft, muß die wissenschaftliche Erscheinung von Prof V. Jagićals dessen Nachfolger und Fortsetzer angeschlossen werden. Ist Miklosich der> slawische Grimm genannt worden, so darf Jagić etwa als der slawischeKarl Weinhold bezeichnet werden. Es ist hier nicht der Ort, die umfassendesprachwissenschaftliche Lebensarbeit des Verewigten zu würdigen; derselbehat aber auch, ebenso wie Weinhold zur deutschen Volkskunde, zur slawischenAltertums- und Volkskunde reiche und rege Beziehungen gepflegt und sichmit der Herausgabe des Archivs für slawische Philologie die größten Ver-dienste auch in dieser Richtung erworben. Unserem Verein stand HofratV. Jagić seit dessen Begründung mit seiner reichen Erfahrung und seinemhohen Ansehen stets hilfreich zur Seite; er hat sich durch viele Jahre alsleitender Vizepräsident die größten Verdienste um die Entwicklung und

1) Vergl. die grundlegenden Aufsätze S. Erixons: Några bidrag till detnordiska husets historia, Fataburen, 1917, und Svensk byggnadskultur ochdess geografi, Ymer, 1922,