Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde29 (1924) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde

  
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29 (1924) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde
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In einem großen Saal waren die Erzeugnisse der hochstehenden west-schwedischen Hausweberei und andere weibliche Handarbeiten ausgestellt.Das hier vereinigte Material war das Ergebnis einer methodischen Durch-forschung Westschwedens unter Leitung Fräulein Vivi Sylwans. Die Stückestammten meist aus der Zeit von 1700 bis 1850, einzelne waren aber älter.Die bäuerliche Wohnstube, insbesondere die bis zum First offene>> ryggås-stugas, die vielfach geeignete Flächen darbot, bildete den Hintergrund fürdie Erzeugnisse volkstümlicher schwedischer Webekunst. Diese Hausindustrieist aus den allgemeinen Typen des Mittelalters und der Renaissance er-wachsen, dürfte aber teilweise auch älteren Ursprungs sein und hat durchZusätze der wechselnden Stilströmungen des 16., 17. und 18. Jahrhundertesihren heute noch bewahrten Charakter erhalten. Die Sitte, die Wände derWohnstube mit Decken und Hängetüchern zu schmücken, ist uralt im Nordenund wurde bis um die Mitte des 19. Jahrhundertes von den schwedischenBauern beibehalten. Die Hängetücher waren meist aus Leinen mit ge-mustertem Rand oder mit Spitzeneinsatz verziert. Die langen Bänke wurdenmit eigens in dieser Länge gewebten Decken belegt und die Bettausstattungund Handtücher boten hier, wie überall im Bauernhaus, reichlich Gelegenheitzu textiler Ausschmückung. Sehr schön gemustert und ausgeführt waren dieverschiedenen Decken. Einzelne Webetechniken gehen bis ins Mittelalterzurück. Aus einer höheren Kultursphäre stammt die Gobelintechnik, in derBankdecken und Kissen gewebt wurden, deren Muster oft noch deutlich aufihren Ursprung hinweisen. Kolorierte Photographien von Stücken mit muster-historischer Bedeutung ergänzten die Sammlung. Unter den Trachten erregtedie Brauttracht von Toarp Interesse, die städtischen Charakter hatte, abermit Zusätzen im bäuerischen Geschmack versehen war. Sehr schön, meist mitSilber gestickt waren die Handschuhe, von denen ein Paar aus dem Jahre 1764

stammte.

Die Sammlung von Jagdgerätschaften enthielt für die Wolfsjagd ge-brauchte Gegenstände, wie Wolfsspieße, Netze, Stachelhalsbänder für dieHunde, ferner verschiedene Fuchs- und Dachsfallen, Hasen- und Auerhahn-schlingen, Schlageisen für Ottern, Bären, Füchse und Habichte, sowie künst-liche Lockvögel für die Jagd auf Schwimmvögel, Daran schloß sich eineAusstellung von landwirtschaftlichen Geräten, Fuhrwerken und Schlitten. Einekurze Sense aus Norwegen stellte ein Mittelding zwischen Sense und Sichel dar.

Siedelung und Bauwesen bildeten die nächste große Abteilung. Durcheine Reihe instruktiver Zeichnungen, Photographien und Modelle wurden diewestschwedischen Bauernhofformen und Haustypen, sowie die Entwicklungder letzteren dargestellt. In Halland und Västergötland herrscht wie in Süd-schweden die dorfweise Siedelung vor, während Einzelhöfe für Bohuslän undDalsland charakteristisch sind. Typisch für Halland und Bohuslän sind ge-schlossene Vierseithöfe von derselben Anlage wie in Schonen und Dänemark,während im übrigen Westschweden Wohn- und Wirtschaftsgebäude für sichstehen, aber keinen geschlossenen Hof bilden. Im südlichen Westschwedensind die Gebäude meist in skiftesverk, einer Art Fachwerk, errichtet, wobeidie Pfosten einem Rahmenwerk von Ständern eingefügt werden, im Nordendagegen herrscht der Blockbau vor. Unter den Haustypen sind zwei sehrinteressant: die» ryggåsstuga, die einem sehr alten Typus angehört, und die