Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde29 (1924) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde

  
Jahrgang 
29 (1924) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde
Einzelbild herunterladen
 
  

9

Aufchrift 94, lit. G, enthalten einige interessante Stücke aus den Jahren 1815bis 1835, darunter das höchst interessante ausführliche Referat über ThomasGrase, Grasels Vater. Die Akten des Hofkriegsrates( im Kriegsarchiv), aufmehrere Stücke in den Jahren 1817 und 1818 verstreut, enthalten unter derBezeichnung H 89 aus dem Jahre 1818 das sehr ausführliche Referat überGrasel und seine militärischen Lastergepäne«. Die Akten der Zensur- undPolizeihofstelle endlich im Staatsarchiv für Inneres und Justiz) bringen namentlichin den Faszikeln Nr. 235/1815 und Nr. 6/18 6 manches interessante Material.Was den volkskundlichen Inhalt der Akten, vor allem des Verhörs-protokolls betrifft, so erstreckt er sich auf religiöse Vorstellungen( Gelübdefür glückliche Entweichung aus dem Kerker, Wallfahrten u. s. w.), Aberglauben( Diebssegen, sog. Coronagebet), eingehende Nachrichten über bürgerlichenund bäuerlichen Mobiliarbesitz im Waldviertel( Verzeichnisse und Beschreibungenentwendeten Gutes), über die Sicherheitseinrichtungen an Häusern und inArresten( Fenstergitter und die Art ihrer Befestigung, Schlösser, Schlüsselu. s. w.), über Einbruchswerkzeuge, über Mahlzeiten, Tabak- und Weingenuẞ,Kleidung, Bräuche, Feste, Verkehrsverhältnisse, über die sogenannte Schinder-oder Haltersprache u. s. w. Um nur eines zu erwähnen: in all den zahllosenFällen wird beim Einbruch zuerst das eiserne Fenstergitter weggebrochen,dann das Fenster eingedrückt. Daraus geht hervor, daß es keine Doppel-fenster gab und daß das Fenster nach innen geöffnet wurde, weil es inner-halb des Gitters lag. Heute hat wohl jeder Bauernhof Doppelfenster unddas Gitter im Fensterstock zwischen den beiden Fenstern.

Die Volkskunde auf der Jubiläumsausstellungzu Göteborg( Schweden).

Von Dr. Rosa Schömer, Wien.

Die große Ausstellung in Gotenburg, die anläßlich des dreihundert-jährigen Gründungsjubiläums der Stadt im Sommer 1923 veranstaltet wurde,enthielt auch eine schöne, volkskundliche Abteilung, die einen Überblicküber die bäuerliche Kultur Westschwedens, das ist der Landschaften Halland,Västergötland, Bohuslän und Dalsland, gab. Es wurde eine systematischeÜbersicht über Besiedlung und Hausbau, Textilkunst und Landwirtschaft( einschließlich einer Sammlung von Jagdgerätschaften) geboten. Durch eineAnzahl repräsentativer Gegenstände wurde das Wesentlichste in Sitte undBrauch, Volkskunst und Hausarbeit dargestellt. Jene Beschäftigungen, wieMahlen, Backen u. s. w., die später im städtischen Handwerk spezialisiertwurden, waren in der handwerksgeschichtlichen Abteilung vertreten, und eineigener Raum war den Zunftgegenständen eingeräumt. Die ausgestelitenObjekte stammten teils aus Privatbesitz und teils aus den Sammlungen derMuscen.¹)

Die bäuerliche Kultur in Westschweden ist nicht einheitlich und schondurch die Siedlungsweise wird das Gebiet in zwei Teile getrennt, die sich anNord- und Südschweden anschließen. Halland und Bohuslän gehörten einst

1) Mit Benützung der Ausstellungskataloge.