Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde29 (1924) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde

  
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29 (1924) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde
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gedrungen waren, samt und sonders in das Prokrustesbett ihrer oft eigen-willigen Etymologie zu zwängen und sie für slawisch zu erklären, sich abergar nicht darum zu kümmern, wie der anderssprachige Name aus dem an-geblich slawischen entstanden wäre. Ja, sie gelangten dazu, selbst Orte, wohinSlawen nachweislich nie gelangten, für sich zu beanspruchen, wie Konstanzund Bregenz, weil sie am einstigen lacus Venetus lägen, die Veneteraber Wenden, d. h. Slawen gewesen wären( Ketrzynski im 40. Band der Ab-handlungen der Krakauer Akademie, 1899); dann aber müßten auch dieVeneter in der Bretagne und in Paphlagonien Slawen gewesen sein! Oder esgilt ihnen für ausgemacht, daß der Name der March, der tschechischMorawa lautet, slawisch ist, man sucht aber bei all diesen Herren umsonstnach einer Erklärung, warum der Fluß im Altertum Marus und heute beiden Deutschen March heißt. Man sieht, wie des Russen SobiestjanskiMahnung, die slawischen Gelehrten möchten sich bei der Erforschung desslawischen Altertums bloß von der Wahrheit leiten lassen, die dieser schon1892( in der in Charkow russisch erschienenen Schrift» Die Lehren von dennationalen Eigentümlichkeiten des Charakters und der Rechtszustände deralten Slawen<<) aussprach, nur allzu berechtigt war. Selbst Miklosich, so großeVerdienste er sich auch sonst erworben haben mag, ist von diesem Vorwurtnicht freizusprechen; so leitet er den Namen der Elbe, tschechisch La be,von slaw. lab,» einem dunklen Stamme«, wie er sagt, ab, trotzdem diesdurch die ganze historische Überlieferung ausgeschlossen ist. Natürlich wurdeMiklosichs Ansatz von den Tschechen gehörig ausgeschrotet. Dabei hatteMiklosich in dem leider noch immer nicht nach Gebühr gewürdigten Deutsch-böhmen Ignaz Petters einen Vorläufer, bei dem er nicht nur eine syste-matische Darstellung der slawischen Ortsnamenbildung vorfand, sondern derihn durch seine Beobachtung der Lautsubstitution in methodischer Beziehungübertraf.

( Schluß folgt.)

Die Akten über Johann Georg Graselund die Volkskunde.

Von Prof. Dr. Robert Bartsch, Wien.

Für eine im Rikola- Verlag Wien erscheinende Sammlung» Aus demArchiv des Grauen Hauses« bearbeite ich die Geschichte des bekannten,vielfach zum Gegenstand der Volkssage gewordenen Räubers und EinbrechersJohann Georg Grasel( 1790-1818). Das nicht gerade vollständig erhaltene,aber doch in seinen wichtigsten Stücken der Vernichtung entgangene Akten-material enthält viel volkskundliche Nachrichten. Die Akten des WienerMagistrats als Kriminalgericht liegen, soweit sie erhalten sind, im Archiv desLandesgerichtes Wien I in Strafsachen. Während über Grasels Genossen meistnur ganz wenige Aktenstücke( meist Journal, Referat und Urteil) erhaltensind, sind über Grasel selbst zwei starke Faszikel vorhanden, deren einerausschließlich aus dem 568 Bogen umfassenden Verhörsprotokoll besteht,dem weitaus kostbarsten Stück des ganzen Materials. Die Akten der OberstenJustizstelle( im Staatsarchiv für Inneres und Justiz) in einem Faszikel mit der