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Wiener Zeitschrift für Volkskunde.
( Vormals ,, Zeitschrift für österreichische Volkskunde“.)
Herausgegeben vom Verein für Volkskunde in WienVIII. Laudongasse 17
mit Unterstützung der Notgemeinschaft der deutschen WissenschaftGeleitet von Prof. Dr. M. Haberlandt.
29. Jahrgang 1924.
Heft 1.
Vorgeschichtliche Gräber in volkstümlicher Über-lieferung.
Von Dr. Leonhard Franz, Wien.
Wo ferne Ereignisse untergegangen wärenim Dunkel der Zeit, da bindet sich die Sagemit ihnen und weiß einen Teil davon zu hegen.Jakob Grimm,
Überall, wo archäologische Bodendenkmäler vorhanden sind oder natür-liche Terrainerscheinungen, die irgendwie auffallen, zum Beispiele erratischeBlöcke im Flachlande, wird man finden, daß die Bevölkerung um diese allerleiErzählungen gesponnen hat. Bestimmte Arten von Bodendenkmälern geben zuganz bestimmten Erzählungen Anlaß. So ist es naheliegend für den Bauern,der beim Ackern auf Gebäudereste, über deren Herkunft ihm sonst nichtsbekannt ist, stößt, an eine versunkene Ortschaft zu denken, wozu gewiß auchdie weitverbreiteten Märchen von untergegangenen Städten beitragen. Tat-sächlich knüpfen sich in deutschen Landen Sagen vom Vineta- Typus an zahl-reiche Stellen, wo römische Ansiedlungen bestanden haben, aber auch dieReste des steinzeitlichen Pfahldorfes im Schussenried wurden so gedeutet.Verschiedenartiger sind die Sagen, die sich um vor- oder frühgeschichtlicheErdbefestigungen gerankt haben. Auch alte Gräber, soweit sie äußerlich durcheinen Hügel gekennzeichnet sind, erscheinen außerordentlich häufig als Gegen-stand einer Sage. In Norddeutschland und Skandinavien wird es kaum einederartige Grabstätte geben, wo es nicht zumindest» spukt<<. 1)
Solche Erzählungen beweisen, daß dem Volke bewußt war, daß an denbetreffenden Stellen etwas los ist. Viel interessanter sind aber Über-lieferungen, von denen sich zeigen läßt, daß sie aus der Zeit herrühren, inder das betreffende Denkmal angelegt worden war. Einige Beispiele der Artsollen nun in den folgenden Zeilen vorgeführt werden.
1) In manchen Gegenden ist man an Stellen, wo nach der Behauptungder Bevölkerung Irrlichter gesehen worden sind, nachträglich auf vorgeschicht-liche Gräber gestoßen. Das hat einmal sogar den Anlaß gegeben, einen natür-lichen Zusammenhang zwischen Gräbern und Irrlichtern zu vermuten( DeutscheGaue, X, S. 23). Daß Grabhügel bei gewissen Gelegenheiten von Feuer um-loht sind, wird übrigens schon in mittelalterlichen Berichten des öfteren er-wähnt, man denke nur an die Hügelfeuer der isländischen Sagen( zum Bei-spiel Hervararsaga, c. 4 und öfter).”