Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde28 (1923) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde

  
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28 (1923) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde
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wurde, zeigen die berühmten Türpfosten von Setesdaler Kirchen. Eine eigeneSchnitzart, die zur Verzierung der bäuerlichen Bauten verwendet wird, heißt> Setesdalskurdens. Die Möbel in den alten bäuerlichen Wohnstuben sindschwer und wuchtig. Der vorherrschende Stil ist Renaissance, doch findensich auch romanische Ranken- und Blattornamente sowie orientalische Glossar ::: zum Glossareintrag  orientalischePalmblattmotive. Hervorzuheben ist ein geschnitzter Bankrücken von 1741,zu dem Holzschnitte aus der Bibel König Christian III. die Vorlage bildeten.Aus Holz führt man nicht nur die Bauten auf, sondern aus diesem Materialwerden auch die Wirtschafts- und Haushaltsgeräte und Gefäße sowie das- und Trinkgeschirr verfertigt. Dasselbe Ueberwiegen der Holzverarbeitungtreffen wir auch in den Alpenländern.

Volkskundliche Sammlungen in Schweden.¹)Von Dr. Leonhard Franz, Wien.

Es gibt kaum ein zweites Volk, das sich in so ausgedehntem Maßefür die Geschichte seiner Kultur interessiert, wie das schwedische. Das beruhtzum großen Teile wohl darauf, daß das verhältnismäßig kleine Volk aufeinem hohen Grad der Kulturentwicklung angelangt ist, dabei aber doch vomLeben und Treiben der großen Welt mehr oder weniger abseits steht undinfolgedessen stärker auf sich selbst angewiesen ist. Man begann inSchweden frühzeitig, den Blick auf kulturhistorische Fragen zu richten,sich zum Beispiel mit der Urgeschichte zu beschäftigen.

Auch für das, was wir Volkskunde nennen, regte sich früh Interesse.Der Beginn mussaler Tätigkeit fällt ins 17. Jahrhundert, Die ersteSammlung wurde 1670 in Stockholm begründet. Ihr Zweck war kein reinwissenschaftlicher, vielmehr sozusagen ein patriotischer; sie sollte Alter undHerrlichkeit schwedischer Kultur dartun, war man doch gerade in dieserZeit durch die literarische Tätigkeit des Polyhistors Olov Rudbeck und alsFolge der Großmachtsperiode Schwedens auf den nationalistischen Gesichts-punkt eingestellt. In der erwähnten Sammlung, die den Grundstock desheutigen Historischen Museums in Stockholm bildet, war aber der vor-geschichtliche Teil noch der vorherrschende. Der erste, der sich dagegenbewußt die Aufgabe stellte, Denkmäler des Volkslebens jüngerer Tage zuretten, war Nils Gabriel Djurklou. Er begründete 1856 eine Gesellschaft, diesich für Sprache, Überlieferung und volkskundliche Denkmäler zunächst derLandschaft Nerike einsetzen sollte. Djurklou hatte allerdings Vorgänger,deren Streben in der gleichen Richtung ging, aber doch noch nicht so klareFormen angenommen hatte. Djurklous Beispiel wurde eifrig befolgt. So hatteman bereits um 1860 in der Bergwerksstadt Falun eine ansehnliche Mengevon Volkstrachten aus der Landschaft Dalarne zusammengebracht. Heute

1) Die vorliegenden Zeilen beruhen zum größten Teil auf einer Über-sicht über die Entwicklung der schwedischen Museen, die in den Einleitungs-kapiteln eines umfangreichen Kommissionsgutachtens zu einem neuen Gesetzeüber Denkmalschutz in Schweden( Betänkande och förslag angående kultur-minnesvård, Stockholm 1922, Bd. I, S. 1 ff.) zu finden ist. Vgl. ferner N. Lithberg,Våra folklivsmuseer, in Svenska Turistföreningens Årsskrift 1923, S. 211 ff.