Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde28 (1923) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde

  
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28 (1923) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde
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Kompromiß geschlossen und die neue Wohnstube mit der alten zusammen-gebaut oder die alte Stube mit Fenstern und einem» peis«, einer Art Kaminmit Schornstein, ausgestattet. Am häufigsten wurde die neue Wohnstube andie alte angebaut, auf beide ein Stockwerk aufgesetzt und die Lauben weg-genommen, so daß das Wohnhaus von Setesdal heute als ein langgestreckteseinstöckiges Gebäude erscheint, das unten das Vorhaus, zwei Stuben undKammern enthält und oben drei Bodenräume und Kammern. Die Möbel inder neuen Stube sind leichter, weniger massiv und weisen Spuren desRenaissance-, Barock- und Empirestils auf.

Die Speicher zeigen eine eigenartige Bauart und stehen entweder nebendem Wohnhaus oder für sich allein. Durch den wohlverwahrten Eingang unddurch Schießscharten waren sie leicht zu verteidigen. Das Gebäude ist zumSchutz gegen die Mäuse auf Ecksteinen errichtet, die in die Erde gegrabensind. Es gibt neben zweigeschossigen auch dreigeschossige Speicher. Um dasobere Stockwerk führt ein offener oder gedeckter vorkragender Gang,[ derdem Gebäude ein eigenartiges Aussehen verleiht. Im Untergeschoß verwahrtder Bauer seine Lebensmittel, im Oberstock seine Kleider und sonstige Wert-sachen. Auch Betten finden sich darin, in denen Gäste schlafen konnten.Diese Speicher entsprechen ganz dem an.» búr« oder» skemma«, die dem-selben Zwecke dienten. Auch diese waren zweigeschossig, mit dem gedecktenUmgang und einer Stiege versehen. Ein Zusammenhang mit ähnlichen Speicher-bauten in der Schweiz besteht nach Midttuns Ansicht nicht, eher denkt er andie hölzernen Bergfriede des Mittelalters.

Der Pfostenspeicher(> stolpehus«) ist auf Pfosten errichtet, so daß dieMäuse abgehalten werden, aber die frische Luft zu den darin verwahrtenLebensmitteln Zutritt hat. Er besitzt aber kein vorkragendes Obergeschoß,so daß er nicht das charakteristische Aussehen des» loft besitzt. Oft isteine Laube vorhanden. Wahrscheinlich entspricht der Pfostenspeicher deman,» stokkabúr<,

Die kleine Badestube steht wegen der Feuersgefahr weit entfernt vonden übrigen Gebäuden. In ihr finden wir eine der ältesten Ofenformen, denRauchofen. Den Boden desselben bilden große flache Steine, als Wändewerden viereckige Steine aufgeschlichtet und oben so übereinander gelegt,daß sie ein kleines Dach bilden. Rund herum und darüber werden noch soviele Steine geschlichtet, als Platz haben, und diese halten später die Wärmefest. Kalk oder Mörtel werden nicht verwendet, so daß der Rauch durch dieFugen hindurchziehen kann. An den Wänden sind Bänke angebracht, aufdenen das Getreide getrocknet wird; auch zum Backen wird der Ofen ver-wendet. Aber ursprünglich diente er als Badeofen, zur Erzeugung einesDampfbades. Bis gegen Ende des 17. Jahrhundertes war es üblich, jedenSamstag ein solches Bad zu nehmen, aber zu Beginn des 18. Jahrhundertesstarb der Brauch aus, wahrscheinlich unter dem Druck derselben religiösenBewegung, die auch viele andere alte Sitten und Bräuche vernichtete. Schonin an Zeit finden wir die» badstofa, die sicherlich der jetzigen ganz ähnlich war.( Schluß folgt.)