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der die Mondzüge schon an seinem Antlitz trägt. Die nach entgegengesetztenSeiten schauenden Gesichter sind die auf- und abnehmende Mondsichel, diezwei Hälften des Monates. Sein Kopt ist demnach ein Bild des Monates. Es istinteressant zu verfolgen, wie auch bei diesem Götterbilde die alte Bedeutungdurch eine neue Auslegung abgelöst wurde. Von den Janus- Darstellungen istbekannt, daß die Finger der beiden Hände so gestaltet waren, daß die Fingerder einen Hand die römischen Zahlzeichen CCC und die Finger der anderenHand die römischen Zahlzeichen LXV ausdrückten. Somit haben wir eseigentlich mit einer Darstellung des Jahres zu tun, Wir sehen auch hier wiederdie Tatsache bestätigt, daß alte Monatsbilder später zu Jahresbildern ausge-staltet wurden. Das Bild des Janus spiegelt die beiden Kulturschichten wider,die Zeit der Mond- und die Zeit der Sonnenrechnung, aber auch hier be-stätigt sich, was früher ausgeführt wurde, daß die spätere Zeit nicht mehr diebildgestaltende Kraft der früheren hatte. Die Fingerstellung nach römischenZahlzeichen ist ein ganz unzureichender Versuch zur Gestaltung eines Sinn-bildes und die armselige Mache verschwindet vor dem so einzig gekenn-zeichneten Janus- Doppelkopfe.
An den Enden des Cimaruta- Bäumchens befinden sich ferner noch dieBilder von Vögeln und Blüten.
Die Blüten sind ohneweiters verständlich. Sie sind wohl das Natürlichsteund Ursprünglichste an den Zweigen. Offenbar waren an den Enden der neunZweige einmal je drei Blüten, denn das Cimaruta- Bäumchen ist ja doch demWesen nach dasselbe wie der eingangs besprochene Baum, nur hat es,beeinflußt durch die dämonologischen, ungeordneten Züge des Zauberwesens,seinen ursprünglich regelmäßigen Aufbau verloren.
Der Vogel ist als Bringer wunderbarer Speise vom Lebensbaume be-kannt und erschien auch auf Darstellungen, die zum Monatsbaume gehörten.
Der Weltenbaum in der Volksüberlieferung.
Das Eigentümliche des Weltenbaumes ist, daß er verkehrt wächst, daßer seine Wurzeln nach oben und die Krone nach unten gerichtet hat.
Der verkehrte Weltenbaum ist nicht nur den Germanen eigentümlich,wir finden ihn auch bei den Indern. Auch dort kehrt der Weltenbaum seineWurzel gegen den Himmel, die Zweige zur Erde.( Kuhn, Herabkunft desFeuers und des Rauschtrankes, S. 76.) Wie fest diese Vorstellung vom ver-kehrten Weltenbaume in der Gedankenwelt der Arier saß, das können wirverschiedenen Volksüberlieferungen entnehmen.
In Knezoves in Böhmen wird die Maibaumspitze, die mit guten Sachenbehängt ist, abgeschnitten, im feierlichen Aufzuge in das Dorfwirtshaus gebrachtund dort mit der Spitze nach unten aufgehängt.( Reinsberg- Rühringsfeld,Festkalender von Böhmen, S. 216.) Nach altbayrischem Brauche wird derWeihnachtsbaum mit der Spitze nach unten an der Decke aufgehängt.( Lütgen-dorf, Über Land und Meer, 62, Nr. 12.) Valvasor berichtet im 17. Jahrhundertin seiner» Ehre des Herzogtums Krain«, I, 233, daß im Reiffnizer Walde einSee liege, in dessen Mitte ein Ahornbaum derart wachse, daß die Krone imWasser stehe, der Stamm mit der Wurzel aber nach aufwärts gerichtet soi.( Diesen Nachweis verdanke ich Herrn Dr. A. Haberlandt.)