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Der Krippenschnitzer Jakob Tyroller.
Von Dr. Richard Heller, Salzburg.
Wie so häufig in den Zeiten der größten Not und Elends die Menschenzur Rückkehr zur intimen Kunst und Poesie des Volkslebens gedrängt werden,so hat auch in den schweren Jahren des Krieges eine Kunst eine Art Wieder-geburt gefeiert, die in den Alpenländern Österreichs nie ganz verschwundenist, in den Städten nur selten oder gar nicht zu finden war. Ich meine damitdie alte schöne Sitte, zu Weihnachten eine Krippe aufzustellen. Speziell wirim Salzburgischen und im benachbarten Salzkammergut haben uns davon nieganz trennen können und in den meisten Häusern findet man teils ganze,teils Fragmente von Krippen wenn auch nicht in Verwendung, so zummindesten auf dem Dachboden.
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Seit dem Bestande des» Verein Freunde der Weihnachtskrippen<< sindnun ziemlich zahlreiche Krippen wieder aufgetaucht und die Krippenausstellungbot einen wahren künstlerischen Genuß.
Unter den modernen erscheinen mir die Krippen von Jakob Tyrollerin Salzburg deshalb bemerkenswert, weil sie wieder ein echtes Stück Volks-kunst sind, das Produkt einer schlichten Begeisterung verbunden mit staunens-wertem Können.
Wie dies meist bei volkstümlichen Künstlern der Fall ist, ist auch beiTyroller das Figurenschnitzen und das Aufbauen der Krippen nicht seinHauptberuf, sondern als Tapezierermeister verwendet er, seinem künstlerischenImpuls folgend, jeden freien Abend, um sich dieser Lieblingsbeschäftigung zuwidmen.
Tyroller ist im Jahre 1865 in Gerolfing bei Ingolstadt geboren, besuchtedort die Volksschule und kam zu einem Tapezierer in Ingolstadt in die Lehre.Er lernte dort aus, machte drei Jahre Militärdienst und kam im Jahre 1883nach Salzburg, wo er heute noch als angesehener Tapezierermeister tätig ist.Tyroller hat niemals einen Unterricht im Schnitzen genossen und begann erstim Jahre 1900 sich aus Liebe zur Sache mit der Schnitzerei zu beschäftigen.Merkwürdig bleibt immerhin, daß er erst mit 35 Jahren seine Fähigkeit ent-deckte und anfänglich nur zu seinem Vergnügen und Zerstreuung schnitzte.
Erst viel später schritt er an die Anfertigung von ganzen Krippen, inwelchem Fache der volkstümlichen Kunst er es zu einer so großen Vollendungbrachte.
Wie ich im Jahre 1898 auf den Hallstätter Schnitzer Johann GeorgKieninger( vulgo Kramerschneider) aufmerksam machte, dessen Arbeiten dannfür das Museum für österreichische Volkskunde angekauft und eine eingehendeWürdigung durch die Monographie von Prof. Dr. M. Haberlandt( Werke derVolkskunst, I) gefunden haben, so möchte ich auch das Augenmerk der All-gemeinheit auf diesen volkstümlichen Künstler lenken. Ebenso wie Kieninger,der Salinenarbeiter war, hat Tyroller nie einen Unterricht genossen und essowohl in der Darstellung der einzelnen Figuren als auch im landschaftlichenAufbau seiner Krippen auf eine Höhe gebracht, die weit über das Mittelmaẞhinausgeht.
Während andere Krippenbildner in Salzburg sich des Wachses bedienenund die Figuren, wie Pfitzer und seine Frau, geschmackvoll mit Stoffen be-