3
Die sechs Nischen zwischen den Bügeln sind rot ausgeschlagen, imHintergrunde stehen Spiegel, davor kleine Porzellanfigürchen( Wiener Typen).Beim Umzug werden auch noch die schönsten Früchte des Jahres in_naturaan der Krone angebracht.
Für gewöhnlich hängt die Krone im Gasthaus» Zum Kellerstöckel« inder Mitte der Schankstube unter der Decke.
Beim Umzug nun wird sie von den jungen Leuten des Dorfes begleitet,gibt es doch bei jedem Haltpunkt einen Tanz. Ich sah zahlreiche Mädchenim Dirndlgewand, wobei das Haar in Zöpfe geflochten, allenfalls eine Gretel-frisur getragen wird, grüne Bänder werden ins Haar gegeben; auch an denSchürzen und an den Kleidern überwiegt diese Farbe, die sehr anmutig gegendie weißen kurzärmeligen Hemden absticht. Der Zug geht von Haus zu Hausvon Wirtschaft zu Wirtschaft. Jeder» vom Dorf* wird angestrudelt<<. DieMusik nimmt auf einem freien Platz Aufstellung. Die Burschen mit der Kronenehmen vor dem Hausvater Aufstellung und senken die Krone. Der Hüterbegrüßt über die Krone hinweg mit einem Glas Wein den Hausvater:> Igrüß den N. N. und sei Frau und sein Haus( oder die ganze Verwandt-schaft) sollen leben!<
Hierauf ziehen die Burschen die Krone hoch, der Hüter schlüpft unterihr durch, stößt an und trinkt; inzwischen setzen die Burschen die Krone indrehende Bewegung und stoßen Juchezer aus, die Musik fällt ein und diejunge Welt tanzt dazu; ich sah nur die Burschen vom Dorf am Tanz teil-nehmen. Natürlich muß der Angestrudelte« zahlen, und wie mir ein Teil-nehmer zuraunte, kostet die Krone an dem Tag» a schwares Göld<; nie undnimmer würden die Burschen von der Krone aber lassen. Recht haben sie!Ich erwähne, daß eine ganz ähnliche Fruchtkrone aus Ottakring im Museumder Stadt Wien verwahrt wird. Ich glaube, kein Mensch hätte in Wien einenderartig rituell noch streng umschriebenen Brauch vermutet, den man sonstnur mehr etwa bei W. Mannhardt, Feld- und Waldkulte, worauf ich bezüglichder wissenschaftlichen Einordnung des Brauches verweise, als überliefert«sucht, studiert und wertet.
In Dornbach ist der gleiche Brauch bis 1873 bezeugt.( Vergleiche denLiteraturbericht: Döblinger Heimatkunde, wo noch verschiedene ältere Wein-hauerbräuche festgehalten sind.)
In Stammersdorf, Verzeihung, im XXI. Bezirk wird heute noch dieWeinbergoas( vergl. diese Zeitschr., XV. Jahrg., S. 112) zum Kirchweihfestgeschmückt, und ich bin fest überzeugt, daß solchermaßen hundertfältig alterBrauch bei unseren lieben Wienern steckt. Meine Bitte geht nun aber dahin:Laßt das den Leuten, mischt Euch nicht in diese Veranstaltungen alsArrangeure, laßt die Leute das selbst machen sie treffen es besser undbeschränkt Euch auf die Rolle des freundlichen Zuschauers! So lange Ihr estut, habt Ihr wirkliches Volksleben, bodenständiges und lebendiges Volkstumvor Euch!