Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde27 (1921) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde

  
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27 (1921) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde
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Abhandlungen und grössere Mitteilungen.

Niederösterreichische Weistümer.¹)1. Teil: Unter- Wiener Wald.

Von Ing. Anton Dachler, Wien.

Die Wissenschaft bezeichnet mit Weistum einen Wahrspruch,der auf amtliche Anfrage von glaubwürdigen, rechtskundigen Männernüber geltende Gewohnheitsrechte abgegeben wird. Darauf beruhenTeile der alten Volks- und Sonderrechte. Im späteren Mittelalter be-gegnen wir rechtsweisenden und rechtsprechenden Versammlungender Gemeinden, die zuerst mündlich aus dem Gedächtnis vorgebracht,später niedergeschrieben und dann als Urkunden immer wieder ver-lesen wurden. Sie hießen in Niederösterreich Banntai dinge, alsoTagdinge, Gerichte an bestimmtem Tage für einen organischen,genau begrenzten, unter obrigkeitlicher Macht stehenden Bezirk. Aufdie Frage im Banntaiding nach dessen Wesenheit erfolgte stets dieAntwort: Es bedeutet so viel als geredt beim Bann an Eidesstatt dielautere Wahrheit. Es sind Gemeindeordnungen, die bis ins 14. Jahr-hundert zurückreichen, im 15. und 16. Jahrhundert fast allgemein sindund durch ihre eingehenden Bestimmungen über die gesamten länd-lichen Verhältnisse im Sinne der jeweiligen Abfassungszeit einentiefen Einblick in das Wesen des Bauern, dessen Ansichten, Wünsche,Gewohnheiten, Gebräuche, kurz sein dörfliches und häusliches Lebenund die Beziehungen zu der in sein Dasein tief eingreifendenHerrschaft gestatten.

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Vorerst ist es nötig, den Schauplatz unserer Arbeit, also dieSiedlungsverhältnisse im Lande zu betrachten. Zwei deutscheStämme, Bayern und Franken, lieferten die Bewohner. Die Bayernwanderten im 6. Jahrhundert in ihre Stammländer westlich der Ennsein und nahmen als Viehzüchter eine reichliche Bestiftung in Einzel-gehöften in Anspruch. Trotz vieler Teilungen sind diese noch immersehr groß. Im 8. Jahrhundert nahmen sie, wahrscheinlich im Einver-ständnis mit den benachbarten Awaren, den westlichen Teil von Nieder-österreich bis zur Erlauf herab in Besitz. Der östliche Teil vom

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Wiener Wald bis zur Leitha, diesmal auch jenseits der Donau, wurdeim 11. Jahrhundert den Magyaren und Mährern abgenommen undinfolge der herrschenden Verhältnisse mit den damals nicht mehr freienMainfranken besiedelt, der mittlere Teil des Landes war in jeder

1) Dieses im Auftrage der Wiener Akademie der Wissenschaften von Gustav Winterfür die deutschen Teile der ehemaligen Monarchie herausgegebene Werk verdient seinesreichen Inhaltes wegen näher betrachtet zu werden.Der Verf.

Wiener Zeitschrift für Volkskunde. XXVII.

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