Die Geschichte der heanzischen Niederlassung.
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Auch in den ersten Jahrhunderten der Ungarnherrschaft gab es hauptsächlichHolzbauten die Ungarn selbst lernten das Bauhandwerk gar spät; die Charakterzüge desSteppenvolkes, das in Wagen und in Zelten lebt, halten bei diesem Volke gar lange an.Auch von den deutschen Gästen der Ungarn in der Zeit Stephans des Heiligen hören wiröfters, daß sie Holzburgen bauen; erst der Mongolensturm( 1241) lehrt auch die Ungarnden Wert der Städte und des Burgbaues kennen.
Wenn Anonymus von Burgen schreiot, die im 9. und 10. Jahrhundert von denungarischen Fürsten gebaut wurden, so ist das ein Anachronismus, der von ihm, dernur mit Vorsicht als Geschichtsquelle dient, nicht so ernst genommen werden kann. Wälleaus Erde, Erdbauten, Gestrüpp, Verschläge, Holzbauten, Sumpfbefestigungen bei denSlawen, Verwendung von Felsblöcken, Benützung der Felshöhlen sind die Schutz- undVerteidigungsmittel der Völker im 9. und 10. Jahrhundert, allenfalls benützen sie nochTürme und Ruinen aus den Römerzeiten.
In den fränkischen Urkunden Ludwigs des Frommen, dannLudwigs des Deutschen, also in den Jahren 800, 823-826-888 werdendie Städte Mysenburch, Odinbureh, Sabaria, Gensi, Mossapurch,Quinque ecclesiae mit vielen deutschen, slawischen und wahrscheinlichavarischen Namen erwähnt.“ Überall gibt es Weingärten, AckerlandWiesen und Wälder im Anschluß an die kirchlichen und fürstlichenBesitztümer. ¹)
Im Jahre 896 übergibt Arnulf die Wacht der Mossapurch dem slawischen FürstenBraslav, der auch in dem Gebiete zwischen der Drau und der Save herrscht. Die Ungarnkämpfen in den Jahren zwischen 896 und 900 mit den Nordslawen. Allmählich treten dieMagyaren so sehr in den Vordergrund, daß die Slawen ihre Sitten annehmen. Die Magyarenwerden hiemit die Herren der Nordslawen. In derselben Zeit ziehen Truppen der Magyarennach Italien, aber erst nach ihrem Zug nach Bayern kehren sie nach Pannonien heim,das ist im Jahre 900.2) Aus dem Jahre 900 datiert sich der Brief des Salzburger Bischofs,in welchem er die Verwüstung Pannoniens beschreibt.
Gewiß mag es eine schwere Verheerung gewesen sein, die daschristliche Pannonien betroffen hat; aber das mit Kriegsgefangenenimmer verstärkte deutsch- christliche Element wurde hier nie ganzausgerottet, besonders aber nicht in den gebirgigen waldigen Grenz-gebieten, die dem magyarischen Reitervolk nicht genug Steppen undWiesen boten.
Die Ungarn kannten das Christentum schon in ihrer früheren Heimat. Ihre bul-garischen Kaufleute, die mit ihnen in die neue Niederlassung zogen, waren Christen undBeschützer der hier vorgefundenen Kultur. Ja auch unter den Führern der Magyarenselbst treffen wir gar bald Christen, so Bulcsu( gestorben in der Schlacht am Lech 955)und Gyula.
Pilgrim, Bischof von Passau, schreibt im Jahre 975 von den vielen Christendie in Pannonien ihrem Glauben treu geblieben sind. Interessant sind die BemühungenPilgrims um die Ungarn. Sogar ein Teil des Nibelungenliedes soll dem Eifer diesesBischofs zu verdanken sein. Die Kämpfe der Ungarn mit den Deutschen spiegeln sich inden Kämpfen der Hunnen mit den Burgundern; der Hochzeitszug Giselas von Bayern istanalog mit dem Zug Kriemhildens nach dem Hunnenland.³)
1) Fejér Codex I, 220; Fejér- Codex Dipl. VII, 26,( Dieselben Urkunden sind selbst-verständlich auch in den ausländischen Codices erhalten.)
2) Pauler Magyar nemzet története az Árpádok alatt; Szilágyi- Marczali: A magyar
nemzet története.
3) Hunfalvy, Szilágy- Marczali beschäftigen sich viel mit dem Ursprung dieses Teilesdes Nibelungenliedes; außerdem unter anderen Deutschösterreichische Literaturgeschichtevon Dr. J. Nagl und Jakob Seidler,