Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde26 (1920) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde

  
Jahrgang 
26 (1920) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde
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Führer durch das Museum für Volkskunde.

Eine ausgewählte typenreiche Sammlung dieserschönen und sehr selten gewordenen Erzeugnisseim Mittelschrank 14, an welcher Delfter- undvenezianische Einflüsse deutlich ersehen werdenkönnen.

Die weitere Entwicklung der Majolikaerzeugungin Mähren, besonders zahlreich in slowakischenBetriebsstätten, ist im Wandschrank 15 zur Ausstellunggebracht; in den Glaskästen sind die vorzugsweisein den Wischauer Werkstätten hergestelltenArbeiten( 16-17) zu sehen.

Mehr fabriksmäßig herg, stellte Majolikaware ausBöhmen und Mähren- darunter auch HolitscherGeschirr verschiedener Art- im Glaskasten 18 undWandgestell 19.

B. Erdgeschoß.

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Bäuerliche Wohnstuben.- Sammlung altertümlicherBeleuchtungs- und Herdgeräte. Europäische Ver-gleichssammlung: Adria- und Balkanländer.Schweiz. Romanische Länder.

Bäuerliche Wohnstuben.

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Die Einrichtung derselben ist im ganzen undgroßen wohl typisch, mußte sich aber in gewissemGrade den gegebenen Raumverhältnissenbequemen. Die jeweils in einem geschlossenenWohnraum zusammengestellten Einrichtungsstückegehören landschaftlich stets zusammen.

RAUM I.

Oberösterreichische Wohnstube.

Die Möbel, zumeist um die Wende. des18. Jahrhundertes datiert, sind in jenem Stil undGeschmack bemalt, der für die Gegend zwi- chenSt. Florian und Steyr in besseren Bauernhäuserntypisch war( und teilweise noch ist). Es fehlen derOfen und das Ofengestell( Ofenglana<) unddie typische Eckbank. Eigenartig ist die Bemalungdes Tisches( mit Eßbestecken) sowie die Dekorationdes Kastens, bez. 1792, die durch Nachahmung vonIntarsia, Aufkleben von bemalten Kupferstichen( Kaiser Josef II. und Friedrich II., österreichischeSoldatentypen u. s. w.) sowie Uebermalung her-gestellt ist.( Man vergleiche die oberösterreichischenMöbel im Raum XIV[ Abteile 1 und 2] des erstenStockwerkes.

RAUM II.

Steirische Wohnstube( Ennstal).

Ohne typische Anordnung sind hier im wesent-lichen bloß die schweren, gut und altbemaltenMöbelstücke( aus der Mitte des 18. Jahrhundertes)zusammengestellt Die Einrichtung unterscheidetsich charakteristisch von dem viel farbenbunterenund bildreicheren Stil Oberösterreichs.( Vergleichedie steirischen Möbel im Raum XIV, Abt. 3.)

RAUM III.

Alpacher Wohnstube.

Das Haus des Alpachtals( eines Seitentals desUnterinntals) ist durch einen besonderen Möbelstilcharakterisiert, der hauptsächlich auf der eigen-artigen Bemalung der Möbelstücke beruht. Dieselben,nämlich Betten, Truhen und Kästen, finden sich

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durchaus nur in den als Schlafräume dienendenKammern, während das Mobiliar der durchwegsgetäfelten Stube mit dem Tische im Herrgottswinkelund ein paar Stühlen erschöpft ist. Was den AlpacherMöbeln ihre Eigenart verleiht, ist nicht die Form,sondern die Bemalung mit Leimfarben auf demHolzgrund ohne Grundierung. Dazu gesellt sichmeist hübsch geschnitzte Gitterumrahmung der ein-zelnen Zierfelder. Die häufigsten Motive der Bemalungsind Doppeladler, Vogel- und Tiergestalten, Jagd-darstellungen; auch fremdländische Tiere wie Löwen,Elefanten, Antilopen sowie Fabeltiere( Greife, Ein-hörner) sind eingestreut.( Zwei Alpacher Truhenund ein Bettaufsatz auch im Raum IX.)

RAUM IV.

Getäfeltes Schlafstübchen aus MontafonTiroler Mobiliar.

( Vorarlberg).

Im Raum IV ist ein hübsches, aus dem Beginn des18. Jahrhundertes stammendes Getafel eingebaut;die geringen Ausmessungen sind für die MontafonerSchlafkammern typisch. Die Decke ist mit einemschön geschnitzten Mittelstück( Name Jesu) und vierGitterfeldern verziert; auch an den Seitenwändenzierliche Schnitzfelder( Kränze). Die typische Ein-richtung einer solchen für das bäuerliche Ehepaarbestimmten Schlafkammer besteht aus dem Ehebett,einem oder zwei Wäsche- und Kleiderschränken,einer Truhe und einem Eckwandkästchen für eineHausapotheke. Sämtliche Möbelstücke sowie diebeiden Türen sind mit teilweise bemaltem Relief-schnitzwerk in barockem til verziert. Der typischgeformte Tisch mit Schieferplatte mit den niedrigen.Armstühlen steht sonst gewöhnlich in der Wohn-stube. Im Raum IV( außerhalb der Täfelung) be-achte man noch den aus graphitierten Kacheln( teilweise mit Reliefbildern aufgebauten Ofen des16. Jahrhundertes aus dem Oberinntal sowie zweiTruhen aus dem Vintschgau mit derber Kerbschnitt-ornamentik der Vorderwände, endlich eine kassettiertefrühe Truhe aus dem Oetztal, nebst einer kleinenKammertruhe aus Vorarlberg.

RAUM V.

Bürgerliches Wohnstübchen aus Kärnten.

Einige bürgerliche Möbelstücke mit ziemlichreicher Holzintarsia verziert, aus Villach stammend,füllen den Raum. Die von Italien her beeinflußteHolzintarsia tritt in Kärnten und Krain wie in Süd-tirol stärker hervor. Man beachte die typisch aus-gestickte Betteneinrichtung, die in den Motiven wieden Farben des Stickwerkes sehr charakteristischist. Die große Spieluhr in der Ecke spielt alter-tümliche Ländlerweisen ab.

RAUM VI.

Getätelte Wohnstube aus dem Oberinntal.Im holzreichen Gebirgslande Tirol war die Ver-täfelung der Wohnstube in den besseren Bauern-häusern fast die Regel. Handwerksmäßige Her-stellung, auch in Störarbeit, gewährleistete solideund in vielen Fällen auch volkskünstlerisch gehobeneAusführung. Das Oberinntal ist durch einen be-sonderen, leichtkenntlichen Stil des Holzmöbels.eingebauter Schränke, Truhen, Waschkästchen mitderben Kerbschnittrosetten- charakterisiert. Unsere