Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde26 (1920) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde

  
Jahrgang 
26 (1920) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde
Einzelbild herunterladen
 

20

Führe

Museum für Volkskunde.

RAUM VI.*

Weihnachtskrippen aus den Alpenländern.

Einzig in seiner Art ist die große Weihnachts-krippe in diesem Raum( 1), die aus Vill bei Igls in Tirolherrührt und dem Ende des 17. sowie dem 18. Jahr-hunderte entstammt. Neben der Hauptdarstellung,dem Zug der drei Könige, der sich aus der StadtBethlehem bis zum Stall mit der Krippe des Jesus-kindes hinzieht, um die Engelscharen und dieHirten verteilt stehen, sind verschiedene Neben-szenen eingebaut, so links die Hochzeit zu Kanaim Renaissancetempel mit den Nebentafeln derBürger und Bauern nebst Küche und Keller; rechtsder Herodesthron und der Unterricht Jesu im Tempel.Die äußerst figurenreiche Krippe ist ein Meisterwerkreligiöser Volkskunst.

Die sonstigen kleineren Weihnachtskrippen( 2-4),von denen die figurenreiche in der vorderen Raumeckeaus Zirl( Tirol) besonders reizvoll und volkstümlichgearbeitet ist, erinnern an die Weihnachtssitten desAelplerhauses, wo das Kripperl bis auf den heutigenTag noch den später aufgekommenen Weihnachts-baum vertritt. Die volkstümlichen Krippenfigurensind in verschiedenen Gegenden der Alpen, derViehtau, in Berchtesgaden, Hallein, im Grödener-tal u. s. w. Gegenstand massenhafter hausindustriellerErzeugung gewesen. Die Weihnachtskrippe, be-ziehungsweise der Krippenberg- ein volkstümlichesBeispiel davon links stammt aus Italien, war im16. und 17. Jahrhundert eine beliebte kirchliche undklösterliche Schaustellung, mit der die Abhaltungvon Weihnachtsspielen vielfach in Verbindung stand.Im 18. Jahrhundert hörte ihre kirchliche Beliebtheitauf und die Krippe wurde zu Beginn des 19. Jahr-hundertes vielfach aus den Kirchen verwiesen. Damitverfiel diese schöne Kunstübung höheren Stils unddas Kripperl zog sich als Kinderfreude in diebescheidene Volkshütte zurück.( Weitere Krippenund Krippenfiguren in den Räumen VII, VIII, XIIbis XIV.)

Bemerkenswert in diesem Raum ist noch dieVitrine 3 mit bemalten Totenschädeln aus dem Salz-kammergut, Kärnten, dem Innviertel Oberösterreichs_ ein Ueberrest alten Seelenkults, dessen Zeug-nisse in den Beinhäusern der Alpenländer nochmanchmal angetroffen werden.

SAAL VII.

Sammlungen zur Hauskultur, Salzburgund Nordtirol,

Die Gebirgsbevölkerung lebt vielfach von derViehzucht: Zeugnisse der Almwirtschaft, der Käsereiund Butterwirtschaft, Joche, Sattelaufsätze, Glocken-bänder, Peitschen, Melkstühle, der Schmuck derKühe für den festlichen Abtrieb von der Alm imersten Schranke rechts 2; auch die Landwirtschaftweist mancherlei althergebrachte Geräte und Typenauf( 1, 8, 9, 11), Kumpfe, Sensenscheiden, Geräte fürden Haar( Leinbereitung).

Eine weitere Reihe altertümlicher Gerätschaftendient den textilen Gewerben( 12)( Spinnen, Flechten,Weben); das Beleuchtungswesen, vom Kienspanbis zur Talglampe ist typenreich entwickelt underinnert im Süden an antike Formen( 13). Mannig-

fach und hoch altertümlich ist im holzreichenGebirge Formung und Verwendung der Holz-gefäße 4( 1, 5), welche gegenüber dem irdenenGeschirr 4( 2, 4) in der bäuerlichen Wirtschaftnoch vorherrschen; im Süden dominiert dasKupfer 4( 3).

An die vielen Bild- und Herrgottschnitzer desLandes erinnert der Inhalt der Eckschränke 6 und14 und des Mittelkastens 10 mit den zahlreichenvolkstümlich gearteten Typen von Heiligen undDarstellungen aus dem Leben Jesu; man beachteauch die zahlreichen, prächtig geschnitzten ver-einzelten Krippenfiguren in diesem Schranke.

SAAL VIII.

Bildschnitzereien und künstlerischeHausindustriearbeiten nebst Spiel-waren aus Salzburg und Tirol, besonders ausdem Grödener Tal.

Seit Jahrhunderten bestreiten zahllose hand-werkliche Herrgottschnitzer und mehr oder minderungelernte Volkskünstler sowie verschiedene Haus-industriebetriebe den Volksbedarf der Alpen-bevölkerung an religiösen und weltlichen Holz-schnitzwerken. Ihre Erzeugnisse waren Heiligen- undChristusfiguren, Kruzifixe, figurale Gruppen, Krippen-figuren( Köpfe, Hände und Füße), deren Bemalung( Fassung) vielfach in den Händen der weiblichenFamilienangehörigen der Schnitzer lag oder durchwandernde Maler( Fassaner) besorgt wurde. Auchdie Tuifele-Maler haben vielfach geschnitzelt.Motive und Vorlagen der höheren Kunst( alteKupferstiche, Kirchenbildwerke) leiteten vielfachdiese volkstümliche Produktion. Man beachte be-sonders die vorzüglichen Arbeiten im Wandkasten 3und den Aufsätzen der Mittelschränke 6 und 8.Auch volkskünstlerische Hausindustrien, wie dieHalleiner und besonders die Gröden er, dieBerchtesgadener und Oberammergauer( seit dem17. Jahrhundert nachweisbar), produzierten religiösewie profane Bildschnitzereien in Massen, Genre-und Scherzfiguren, Karikaturen, Volkstypen Glossar ::: zum Glossareintrag  Volkstypen, volks-tümliche Tierfiguren und Tiergruppen als Ersatz.der zeitgenössischen vornehmeren Porzellanfigurenund Porzellangruppen( 8, 11). Einen besonderenZweig zumal der Grödener Hausindustrie bildete.die Spielwarenerzeugung( 7, 10), von welcher die tafel-weisen Zusammenstellungen an den Wänden undin 12 einen Begriff geben. Besondere Spezialitäten derGrödener Schnitzerwaren sind die künstlerisch ver-zierten Rahmen mit reichgeschnitztem Blattwerkverschiedene Beispiele an Wand 9. Endlich sei auchnoch auf die Erzeugnisse der Pfeifenschneider inVitrine 13 hingewiesen.

IX.

Bäuerliches Mobiliar und kleinererHausrat aus Salzburg, Nordtirol und Vorarlberg.

Die ältesten mit dem Haus und seinen Wändenfestverbundenen Möbelformen sind in zwei vertäfeltenStuben des Erdgeschoßes( aus Montafon und demOberinntal) vertreten. Das gewöhnliche bäuerlicheMöbel der Alpenländer ist beweglich; seltener sinddabei noch gotische Formen erhalten, am häufigstenbei den Truhen( Südtirol, Oetztal), häufiger_schonRenaissancemotive, in der Regel ist aber das Barock