Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde26 (1920) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde

  
Jahrgang 
26 (1920) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde
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Mitteilungen aus dem Verein und dem Museum für Volkskunde.

Bei Bewältigung der wissenschaftlichen und musealen Arbeit, derenHauptlast ich selbst in diesem vollen Vierteljahrhundert zu tragen hatte,habe ich mich von mancher Seite eifriger Unterstützung zu erfreuengehabt; die wirksamste wurde mir in den letzten zwölf Jahren, geradein der Periode stärkster Beanspruchung unserer Kräfte, von Seite meinestreuesten Arbeitsgenossen, des Kustosadjunkten und PrivatdozentenDr. Artur Haberlandt, den mir die Natur selbst an die Seite gestellthat, zuteil. Allen Mitarbeitern und Mitgliedern, die durch. lange Jahrehindurch treu zu unserer Fahne gehalten haben, sei in dieser Stunde derErinnerung wärmstens gedankt.

Ein Rückblick, wie wir ihn heute befriedigten Herzens auf eine langeEpoche hinter uns liegender erfolgreicher Arbeit werfen durften, wird, umnicht eitel und fruchtlos zu erscheinen, sich schließlich in einen Ausblickauf die Zukunft zu verkehren haben. Welche Aufgaben harren nochunser? Jede Institution, die mit dem Kulturleben der Gegenwart engerenZusammenhang hat, verändert und erweitert naturgemäß ihren Aufgaben-kreis. Dies organische Wachstum möge auch unserer Gesellschaft undunserer Museumsarbeit künftighin beschieden sein in rein wissen-schaftlicher, in erziehlicher und volksbildnerischer wie in praktischerRichtung. Wissenschaftlich werden wir den Ausbau und die Vertiefungder volkskundlichen Forschung in deren stets innigerer Verknüpfung mitVorgeschichte und Kultur- und Kunstwissenschaft zu suchen haben, sowiedie Volkskunde andererseits immer intensiver auf die philologischenDisziplinen einzuwirken berufen ist. In praktischer Hinsicht werden wirdie Pflege der volkstümlichen Arbeit und ihre gesunde Weiterbildungunermüdlich zu empfehlen und nach Kräften zu fördern haben, indemwir immer weiteren Volkskreisen die Augen über den unverlierbaren Wertder bodenständigen Produktion und Volkskunst öffnen und die heimischenGüter selbst, wie bisher, nach Möglichkeit schützen und retten wollen.Die größte unserer Aufgaben aber erkenne ich darin, die Pflege der Volks-kunde zu einer Bildungs- und Herzenspflicht jedes Volks-genossen zu erheben. Nicht abseits vom großen Lebens- und Arbeits-strom der Bevölkerung auf rein wissenschaftlicher hoher Warte sollkünftighin die Volkskunde verharren, sondern sie kann und soll auchdurch Schule und Lehre, durch Beispiel und Anschauung ein idealerRegulator des Volkslebens, ein verläßlicher Wegweiser aus der Ver-gangenheit in die Zukunft sein. In unserem gesamten Werke, zumalin unserem Museum für Volkskunde ein starkes Bollwerk unseres Volks-tums und der heimatlichen Güter aufgebaut zu haben, ist so unser edelsterStolz und unsere stärkste Hoffnung für die Zukunft.