Mitteilungen aus dem Verein und dem Museum für Volkskunde.
25 Jahre
Verein und Museum für österreichische Volkskunde( 1894-1919).
Von Prof. Dr. M. Haberlandt.
Ein Vierteljahrhundert ist verflossen, seit der von mir in Gemein-schaft mit dem 1903 verstorbenen Dr. Wilhelm Hein gegründete Vereinfür österreichische Volkskunde am 19. Dezember 1894 unterden verheißungsvollsten Auspizien ins Leben trat fünfundzwanzig Jahrevoll Arbeit und Sorgen, die aber auch dies darf mit berechtigterGenugtuung ausgesprochen werden von ungewöhnlichen Erfolgen ge-krönt sind.
In allen Kulturstaaten begann sich damals in der gebildeten Weltdas lebhafteste Interesse für Heimatforschung und Volkskunde zu regen,überall entstanden Vereine und Zeitschriften für Volkskunde. In Österreich,wo die unparteiische wissenschaftliche Pflege der Volkskunde auch einebesondere nationalpolitische Bedeutung besaß und infolge der ethno-graphischen Mannigfaltigkeit der Bevölkerung ungewöhnlichen Schwierig-keiten begegnete, übernahm der Verein für österreichische Volkskundediese vom Zeitgeist geforderte kulturelle und wissenschaftliche Aufgabeund führte sie in seiner bisherigen fünfundzwanzigjährigen Tätigkeit unteräußerster Anspannung aller verfügbaren Kräfte durch. Der Verein fürösterreichische Volkskunde wurde mit seinen beiden von mir begründetenund geschaffenen Hauptschöpfungen: der Zeitschrift und dem Museumfür österreichische Volkskunde, der unbestrittene Führer der volkskund-lichen Bewegung und Arbeitsgemeinden Österreichs und hat durch seine strengwissenschaftliche Haltung und Methoden, seinen Arbeits- und Sammeleifermit den erfreulichsten Erfolgen auf die gesamte volkskundliche Arbeit inÖsterreich vorbildlich und erziehlich eingewirkt. Im besonderen ist diesachliche Volkskunde, das Studium der Haus- und Trachtenkundeund besonders die kunstwissenschaftliche Erforschung derVolkskunst, welcher auch der Sammeleifer unseres Museums in her-vorragendstem Maße zugewendet war, durch uns und unsere Mitarbeiterauf das intensivste gepflegt und grundlegend bearbeitet worden.
Fünfundzwanzig Bände der Zeitschrift für Volkskundenebst dreizehn Ergänzungsheften( bez. Bänden), an welchen fast allenamhaften Volksforscher Österreichs mitgearbeitet haben, brachten zahllosegrößere und kleinere Beiträge zur Volkskunde nicht nur der österreichischenVolksgebiete; unser Arbeitsbereich wurde frühzeitig über den Bereich derMonarchie hinaus auch auf andere europäische Volksgebiete, nament-lich Bosnien, die Herzegowina, die Balkanländer, Italien, die Schweiz,Frankreich( Bretagne, Baskengebiet), Rußland, erstreckt und so dem ver-