Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde25 (1919) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde

  
Jahrgang 
25 (1919) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde
Einzelbild herunterladen
 

I. Abhandlungen und grössere Mitteilungen.

Vor- und frühgeschichtliche Überlieferungenim Volksbesitz der Gegenwart.

Von Dr. A. Haberlandt, Wien.

( Mit 29 Abbildungen.)

Altertümliche Herdsteine aus Kastell Tessino, Südtirol.

Das Wiener Museum für Volkskunde verwahrt 4 Herdgeräte ausKastell Tessino in Südtirol, die wegen der Altartigkeit ihrer Form-gebung besonders vermerkt zu werden verdienen. Es sind dies zweieinzelne und ein Paar» Wichelsteine«, wie wir diese Gruppenach dem Vorgang O. Lauffers wohl am besten nennen. ¹)

Drei davon sind als steinerne Auflagen von zirka 56 cm Längegeformt mit Kopfendigung an der Stirnseite. Die Auskunft desVerkäufers, daß es sich um Herdgeräte handle, wird durch die Brand-spuren und Schwärzung der Auflagen bekräftigt. Die Verwendungder Steine erfolgte offenbar paarweise in der Art, daß sie beiderseitsnach vorne zu vorspringend die Feuerstelle des Kamins einrahmten.Solche Herdsteine mit Kopfendigung sind in Italienaus dem Mittelalter in der Tat belegbar. G. Bancalari) erwähnt,daß bei dem berühmten Kamine des 14. Jahrhundertes im FlorentinerNationalmuseum ein Herdstein liegt,» ein Prisma, welches auf dereinen Seite in einen stilisierten Löwenkopf endet«. Stil und Form-gebung weisen auch unsere hier besprochenen Stücke etwa in dieseZeit. Der Rücken der bankartigen Auflagen ist bei dem» Paar«( vergl.Abb. 11, 1) halbrund geformt, beim dritten Stück( Abb. 11, 3) ist dieserTeil abgebrochen, war aber zweifelsohne ähnlich geartet, die Köpfesind am Scheitel gleichfalls als Auflageflächen abgeplattet und mitlotrechter Bohrung versehen, die auf eine wagrechte Durchführungstößt, welche wir als Bratspießlager zu deuten haben. Die Köpfe sindsehr hartkantig umrissen, die Schnauze springt spitzkonisch vorund zeigt vorne zwei runde Nasenlöcher, die Augen sind einfachrund, die Ohren als Hängeohren gebildet, die Meißelfurche des Maulesist durch halbkugelige Bohrlöcher belebt.

Der vierte Stein endlich( Abb. 11, 2) stellt eine einfach abge-treppte Bank mit würfelförmiger Stirnseite dar, die eine besondersgroße Bohröffnung mit Andeutung von Riefen aufweist; möglicher-

1) Dr. O. Lauffer im Anzeiger des Germanischen National- Museums, Nürnberg 1900,S. 166 ff., 181 ff., 1901 s. 103 ff. Meine Ausführungen, Erg.-Bd. XII Zeitschr. f. öst.Volksk., S. 70 ff.

2) G. Bancalari, Forschungen und Studien über das Haus. Mitt. d. Anthrop. Ges.XXVI, Wien 1896, S. 95 f.

Wiener Zeitschrift für Volkskunde. XXV.

7