wird, wie man den einleitenden Worten zu diesem„ Begleitheft" von S. Jung-hans entnimmt, über kurz oder lang in das Schloß Waldenbuch ausziehenmüssen. Vorher aber hat sich eine Ausstellung im Hauptgebäude des Stutt-garter Museums ermöglichen lassen, und von ihr wird dieses„ Begleitheft"dauernd Zeugnis geben.
Roller, als Schüler von Bausinger, läßt textlich seinem Lehrer den Vor-tritt, und Hermann Bausinger, hat dementsprechend ein Feuilleton„ Volks-kultur in Württemberg" als Einleitung geschrieben. Geistvoll, modern formuliert,manchmal in die Terminologie der Zeitungen und Zeitschriften unserer Tageabgleitend. Was hier über„ Folklorismus", über„ Massenkultur" und über,, Volkskultur als Gegenkultur" steht, ist so zeitgebunden, daß es beim Erscheinenschon wieder veraltet anmutet. Für den Besucher der Ausstellung bietet eswohl wenig.
Hans- Ulrich Roller selbst hat sich in seiner„ Einleitung" dann sehrbemüht, ein sachlich berechtigtes Bild zu skizzieren. Einen„ pointierten Ein-druck" von den Gegenstandsgruppen, wie Roller( S. XII) schreibt. Das ist auchrecht geglückt, freilich mit manchmal sehr naher Angleichung an Sprachge-brauch und Objektwertung, wie sie im Tübinger Institut üblich ist, aber daskann man ja verstehen. Von den Objekten her gesehen wäre ein breitererDialog, eine vertieftere Interpretation nützlicher. So muß man mit den Bildernvorlieb nehmen, die sehr gut sind und alle Gruppen gleichmäßig darzustellentrachten. Selbstverständlich treten manche bildkräftige dennoch stärker in denVordergrund, besonders die Möbel, bei denen es nichts nützt, wenn man sie,beispielsweise die Rößler- Möbel aus Unter- Münkheim als„ gerade heute in wei-ten Kreisen besonders geschätzt und wohl auch überschätzt"( S. XX) anspricht.Da hätte ein ausführlicher Katalog mit kurzen Analysen( der Motive, der Dar-stellungsweisen) mehr geholfen. Aber dieser Katalog mag der späteren Auf-stellung in Schloß Waldbuch überlassen bleiben.
Einstweilen sollte man mit dem reichlich dargebotenen Stoff zufriedensein, sich nicht über einiges Unnötige( Schlafzimmerbilder wie 84, 207) ärgern,und so manches Stück als Bereicherung der bisherigen Anschauung dankbarzur Kenntnis nehmen. Von österreichischer Seite wird man vielleicht manchesStück als mögliches Einfuhrgut überprüfen wollen, etwa die Truhe von 1671( 24)oder den Doppeladler- Teller von 1654( 96).Leopold Schmidt
Wolfgang Brückner( Hg.), Volkserzählungen und Reformation.Ein Handbuch zur Tradierung und Funktion von Erzählstoffen und Er-zählliteratur im Protestantismus. Berlin 1974, Erich Schmidt Verlag, 904 Sei-ten, 11 Abb. DM 195.-.
Der blockhaft schwere, mächtige Band stellt eine wichtige Neuerscheinungdar. Im ganzen bedeutet er eine Summe von Nachweisen, daß viele Volks-erzählungen, vor allem Sagen und Sagenmotive, die im 19. Jahrhundert aus dem,, Volksmund" aufgezeichnet wurden, schon einmal, oder auch mehrmal, aufdem Weg über den Buchdruck festgehalten und weiterverbreitet worden seinmüssen. Was Albert Wesselski einstmals mit starker Betonung der FinnischenSchule gegenüber ausgeführt hat, und was immer wieder diskutiert werdenmuß, das ist also hier für die bedeutungsvolle Zeit der Reformation genauuntersucht und präzise unterbaut. Der mächtige Band besteht zu gut einemDrittel aus Katalogen, Bibliographien und Registern, die selbstverständlich allesehr wichtig sind. Aber er stellt gleichzeitig eine Folge von Einzeluntersuchun-gen dar, auf die hier doch wenigstens hingewiesen werden soll.
Nach der allgemeinen Einleitung von Wolfgang Brückner„, Historienund Historie", welche die„ Erzählliteratur des 16. und 17. Jahrhunderts alsForschungsaufgabe" darstellt, folgen„ Einzeldarstellungen". Zunächst„ Alte
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