Jahrgang 
77 (1974) / N.S. 28
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Ecke dieses prächtigen Klosterhofes ragt der spätbarocke Kirchturm( 18. Jh.)einer über dem Steilufer des Inn stehenden, weiträumigen, lichtdurchfluteten undmit Fresken des Münchner Hofmalers Chr. Wink geschmückten Stiftskircheempor.

In dem mit einem Stichkappengewölbe, das mit himmelblauem( heiligeFarbe?) Stoff und Anstrich! versehen wurde, adaptierten Kreuzgange dieserKirche und seinen Nebenräumen breitete sich im Wesentlichen die großartigeSchau aus und vermittelte als solche einen fast überirdischen Glanz von Lichtund Gold, von Bewegung und Pathos, von menschlich demutsvollem Glaubenwie himmlischer Herrlichkeit und Herrschaft innerhalb von zwei Jahrhunderten.Ein reich illustriertes Katalog- Buch von 322 Seiten Text mit 16 Farbtafelnund 110 Schwarz- weiß- Abbildungen führt uns zusammen mit einer sorg-fältigen Beschriftung hinreichend belehrend, durch die an sich etwas ver-wirrende, enge Fülle von 473 Exponaten der 21 nachgewiesenen Skulpturendieser biologisch wie künstlerisch überaus fruchtbaren Familie der Schwan-thaler aus Ried im Innkreise. Ihre klassizistisch- romantische Münchner Zweig-linie des 19. Jhs. wurde in den Prunkgemächern des 1. Stockwerkes postiert undwir wollen sie hier nicht näher verfolgen.

Nur die barocke, österreichische Linie der Schwanthaler mit ihrer Haupt-werkstätte in Ried i. I. und anderen kleineren Werkstätten in Ober- undNiederösterreich soll Gegenstand dieser Betrachtung sein: Dabei gilt vor allemThomas Schwanthaler( 1634/1707), Bildhauer in Holz, Stein, Bein undStahel", als ein erster barocker Höhepunkt: Eine Sebastiansfigur der um 1661entstandenen Seitenaltäre für Eitzing, das früheste gesicherte Werk von ThomasSchwanthaler( Kat. Farbt. II) ¹) bringt dies, zusammen mit einem prunkvollenund schweren, mit drallen Putten geschmückten Akanthusrahmen, sowie derbäuerlichen Andreasfigur von Münsteuer, vor allem aber auch den heiligenBarbara- ,, Henker" im Türkengewande von Schalchen( Kat. Farbt. III, IV u. XI)überzeugend zum Ausdruck. Besonders der bereits erwähnte, Türke", der mitfurioser Geste ausholt, die hl. Barbara zu enthaupten, kann als Kanon barockerStilelemente gelten: mehrfacher Kontrapost, echtes inneres Pathos und übertrie-bene äußere Geste. Dem frühen, z. T. noch anatomisch ungelenken Stile vonThomas Schwanthaler sind auch der Hl. Bartholomäus von Senftenbach, dieHl. Anna Selbdritt von Mehrnbach, der Hl. Paulus von Mattighofen, ja sogarder Hl. Christophorus von St. Wolfgang, sowie das Christkind von Andrichsfurtum 1670( Kat. Abb. 30) zuzurechnen. Diesbezügliche Vorbilder und Vorlagenaus dem römischen, bzw. belgischen Barock hat Frau Dr. Oberwalder fast zujedem Einzelstück nachgewiesen 2).

In Thomas Schwanthaler reifster Stilperiode, etwa von 1675/1690,weichen diese jugendlichen Übertreibungen an Gestik, Mimik und Pathos mehrund mehr einem klassischen Formideal, das seine anatomisch- realistischen, aberstark durchgeistigten Gestalten wie etwa die der Hl. Katharina von Arnsdorf,des rauchfaẞschwingenden Engels und des Vollblut- Putto im Josefi- und Bene-diktineraltar von Maria Plain bei Salzburg, ja selbst die Brunnenfigur desHl. Michael von Reichersberg( 1694) auszeichnen. Ob allerdings dieser künstle-rische Wandel einer äußeren Beruhigung bei gesteigerter innerer Bescelung biszu der, alles andere Schaffen Thomas Schwanthalers weit überragenden

1) Katalog: Die Bildhauer- Familie Schwanthaler 1633/1848;Barock zum Klassizismus". Ob. Öst. Landesverlag, Linz/ Donau.

zeit".

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» Vom

2) Katalog: Waltrude Oberwalder Die Schwanthaler der Barock-