lasse ihre Gründer und Betreuer mehr als bisher am lebendigen Wirken unseresFaches mehr Anteil zukommen, und lenke ihre Energie auch zu jenen Tätig-keiten, die nicht sogleich schaubare Ergebnisse bringen, nämlich zur Inven-tarisierungs- und Katalogisierungsarbeit; und wenn solche gelegentlich vorliegensollten, dann schaffe man Veröffentlichungsmöglichkeiten dafür. Die Grundlagenfür einen ersten fundierten Überblick wären in Salzburg zur Zeit, wie dasHeft deutlich zeigt, gegeben. Nun ist es soweit, daß auch ein zweiter Schrittgetan werden könnte.Leopold Schmidt
Matthias Maierbrugger, Ba u ern brauch im Kärntner Nockgebiet(= Kärntner Heimatleben, Bd. 16) 140 Seiten, mit 19 Aufnahmen. Klagen-genfurt 1974, Verlag des Landesmuseums für Kärnten. S 120,-.
Der hübsche Band enthält 19 Kapitel, Schilderungen von Lebensbräuchen( Geburt, Liebesleben, Bauernhochzeit) sowie von Jahreslaufbräuchen( Palm-sonntag, österlicher Weihkorb, Taufpatenbrauch zu Ostern, Himmelfahrt, Kirch-tag), wozu weitere Schilderungen von Volksspielen( Kugelwerfen, Ringen,Brechelhochzeit) und Arbeitsvorgängen( Zaunflechten, Störschuster, Brotbacken)und vom Rest eines Wallfahrtsbrauches( Schweinshaxelversteigerung von St.-Wolfgang am Fratres), kommen, meist mit jüngst aufgenommenen Bildernversehen. Die Schilderungen versuchen jedesmal ein Ganzes zu geben, einenAblauf zu schildern und Glaubenszüge, Vierzeiler, Spruchfolgen einzubauen,wobei nicht ganz klar wird, ob alle diese Elemente vom Verfasser bei gleicherGelegenheit aufgezeichnet wurden, oder ob sie älteren Aufschreibungen ent-stammen, und welchen. An sich muß man den Schilderungen vertrauen, daOskar Moser das Manuskript durchgesehen hat und somit die Gewähr dersachlichen Richtigkeit besteht.
Maierbrugger repräsentiert den heute schon selten gewordenen Typ desvolkskundlichen Feuilletonisten. Er ist offenbar ein Kenner, bringt für dasNockgebiet, also die Höfe im Bereich von Kleinkirchheim bis Kaning usw.vielleicht mehr bei, als bisher zusammenhängend geschildert wurde, kennzeichnetaber nicht, was Beobachtung oder auch Angeregtheit aus bisheriger Literaturist. Auch bei den Bildern mag man hie und da zögern, inwieweit es sich dabeium tatsächliche Momentaufnahmen, oder um„ gestellte" Bilder handeln mag,und welcher Schicht und Gruppe die dargestellten Menschen gehören mögen.So wird man das kleine Buch, das zum 60. Geburtstag Maierbruggers heraus-gebracht wurde, als eine recht gut lesbare alpenländische Lektüre schätzen, beider quellenmäßigen Benutzung aber wohl kritische Bemühung einschalten, wieman dies freilich beim ganzen volkskundlichen Feuilletonismus seit Rosegger undseinen Zeitgenossen und Nachfolgern tun muß.Leopold Schmidt
Willibrord Neumüller, Speculum humanae salvationis. Vollst.farbige Facsimile- Ausgabe des Codex Cremifanensis 243 des Benediktiner-stifts Kremsmünster. 124 Seiten( 62 B11.) im Originalformat 335 x 255 mm;192 Miniaturen ca. 80 x 80 mm und Kommentarband 45 Seiten(= Reihe:Codices selecti, Bd. XXXII u. XXXII*). Graz, Akademische Druck- u.Verlagsanstalt, 1972.( ÖS 6.900,-, DM 990,-).
Sicher gilt das Hauptaugenmerk von Herausgebern und Kommentatorender„ Codices selecti" Facsimile- Drucke( bisher XXXVIII Bände!) der Kunst-wissenschaft, der Theologie, der Geschichte der Medizin und der allgemeinenKulturhistorie. Doch in sehr vielen Bänden ist auch die Volkskunde und ihrInteresse an Quellen, an frühen Darstellungen von Realien der Volkskultur wieder Ausprägungen lang nachwirkender Vorstellung im Bereich sakraler Tradi-tionen des frühen wie des hohen Mittelalters direkt angesprochen. Man denke
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