Redensarten aus Osttirol
Der verbale Vergleich im Dialekt von Villgraten
Von Johann Trojer
Die gesammelten Komparationen sind mehr oder minder stehendeRedewendungen. Der Großteil von ihnen kann als allgemeines Sprach-gut der Dialektträger bezeichnet werden. Individuelle Neuprägungenkommen relativ oft vor, lassen sich aber infolge ihrer Kurzlebigkeitbzw. infolge ihrer beschränkten Frequentierung kaum ermitteln.Immerhin kann festgestellt werden, daß sie vorzüglich auf dasAnschauungsinventar der altbäuerlichen Erfahrungswelt zurückgreifen.
Überhaupt muß auffallen, wie sehr das Bildmaterial der Ver-gleiche den Bestand einer Welt- Anschauung dokumentiert, derenEvidenz hierorts erst nach 1945 Einbrüche erfährt.
Es wird hier kompariert mittels der dogmatischen Hierarchie derReligion und bestimmten Gestalten der Bibel, mit den mythisch be-setzten Personifikationen: der Aller, der Hollekragen, der Bettel, derWilde; die Hexe, die Perchtl, die Golter, die Habergeiß und dieWilde- Fahrt; das Graue und das Schintale. Dann mit Figuren desalten Volkslebens wie: der Handwerksbursche, der Karrner, derÖlträger, der Bürstenbinder, der Scherenschleifer und der Haftelbeiẞer;Der Bajazzo und der Maschgerer, der Jude und der Ewige Schuster,Knecht und Dirn, der Drescher und Heubringer bestellen dieses bild-kräftige Szenarium. Haustiere, Hausgerät und Tischgerichte, Schauerund Regenwetter runden es ab.
-
Die Funktion der Vergleiche mit den Mitteln der Hypertrophieund Hyperbel ist die bessere Veranschaulichung, bei den Handlungs-und Zustandsverben eine Bekräftigung, bei den Adjektiven eine Ver-stärkung. Was also in der Schriftsprache der Komparativ- der in derSammlung nur selten aufscheint zu leisten hat, leistet hier derkomparierende Positiv. Offensichtlich hat das Adjektiv in diesem Tal-dialekt noch ein Gewicht, wie es ihm im Hochdeutschen seit demBarock nicht mehr zukommt.
--
Auch schon die oberflächlichste Untersuchung, welche(!) Zeit-wörter und Eigenschaftswörter mit Vergleichen erhellt werden, erbringt
1
1