mittelalter feststellen. Die Forschung über die Umzugsriesen wird paralleleErscheinungen konstatieren können, zumal ja ab und zu in den Umzügeneben Riesen in ausgesprochener Christophorus- Erscheinung aufgetreten sind.Man sieht, auch eine eigentlich streng angelegte und durchgeführte eng-räumliche Untersuchung verlockt sogleich zu den verschiedensten Ausgriffen.Da die Verfasserin gute Bilder und umfangreiche Literaturangaben beigegebenhat, ist ihre Untersuchung also auch von uns aus sehr zu begrüßen.
Leopold Schmidt
Werner Gut und Hermann Dünnenberger, Ostschweizer Bauernma-lerei(= Schweizer Heimatbücher, Bd. 164/ 165/ 166/ 167/) 80 Seiten,davon 32 Farbtafeln. Bern 1973, Verlag Paul Haupt. DM 32.-.
Die bemalten Möbel von St. Gallen und Appenzell sowie Toggenburgsind der Möbelforschung noch nicht sehr gut bekannt, eingehendere Forschungenüber die Blütezeit stehen noch aus. Abbildungen gibt es schon mehrfach, vorallem von den in dem schönen Museum von St. Gallen geborgenen Stücken.Es ist daher erfreulich, daß eine Reihe sehr schöner Möbel, Kästen, Truhen,Betten vor allem, aus den Museen von St. Gallen, von Herisau und von Lichten-steig( Toggenburger Heimatmuseum) in diesem Band ausführlich beschriebenund sehr schön abgebildet werden. Die Stücke reichen von der Spätrenaissancebis ins Biedermeier. Eine sehr beträchtliche Zahl von ihnen weist Blau alsGrundfarbe auf. Die Darstellungen sind zwar so gut wie immer weltlich, dochtragen einige Stücke deutlich katholische Kennzeichen. Die Maler der Möbelvom Anfang des 19. Jahrhunderts sind zum Teil namentlich( Conrad Stark,Johann Bartholomä Thäler) bekannt.
Das Buch dient weniger wissenschaftlichen, als kunstpflegerischen Zwek-ken. Ein Anhang unterrichtet Leute, die selber gern„ Bauernmöbelmalen" überMalmaterial und Maltechniken, und über das offenbar dazugehörende„ Pati-nieren". Da wird sich vermutlich der Kunsthandel in einigen Jahren schon sehrin acht nehmen müssen, um nicht recht junge ,, alte Ostschweizer Bauernmöbel"in den Umlauf zu bringen.Leopold Schmidt
Holger Rasmussen, Limfjordfiskeriet før 1825. Saedvane og central-derigering(= Folkelivs studier 2), Kopenhagen 1968, 517 S., 41 Abb.Den Gedanken der Zentraldirigierung von Kultur durch den Staat undder Vermittlung seiner Direktiven über sekundäre und tertiäre Zentren derstaatlichen Verwaltung, hatte einst Sigurd Erixon entwickelt ¹). Leider istdieser überaus fruchtbare Ansatzpunkt für das Verständnis von kulturellenProzessen in der Volkskunde nach ihm kaum mehr benutzt worden. Umsoerfreulicher ist es, daß Holger Rasmussen, Direktor der volkskundlichenSammlungen im Dänischen Nationalmuseum, seine Arbeit über die Limfjord-fischerei unter den Gesichtspunkt der Zentraldirigierung gestellt hat. Wie demLiteraturverzeichnis zu entnehmen ist, hat er sich bereits seit längerem mit diesersozial- und wirtschaftsgeschichtlichen so überaus interessanten Region im Nord-westen der jütischen Halbinsel beschäftigt. Als buchten- und inselreiches Gewässervon 180 km Länge stellte der Limfjord, der wegen seiner geringen Tiefe für dieSchiffahrt niemals von Belang gewesen ist, seit früher Zeit ein bevorzugtes Fisch-fanggebiet dar. Schon Saxo Grammaticus beirchtet in seiner„ Chronica Danorum"am Ausgang des 13. Jahrhunderts von der Limfjordfischerei und weist auf ihre
1) Sigurd Erixon, Zentralgeleitete und volkstümliche Baukultur, in:Festschrift für Will- Erich Peuckert zum 60. Geburtstag dargebracht, Berlin 1955,S. 79-85.
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