kundlern beträchtlichen Anteil hatten. Von ihrem Einfluß hätte man gernmehr erfahren. Aber Steinmetz wertet die Ergebnisse dieser Zeit, wie jetztüblich, stark ab. Er wendet sich der Gegenwart zu, dieser neu- aufklärerischen,neu- weltbürgerlichen Epoche, in der für die Volkskunde auch in der Päd-agogik offenbar wenig Platz bleibt.
Eine gute Dissertation, auch für den Außenstehenden nützlich zu lesen. Sieregt zum Nachdenken an, nicht zuletzt über die schnelle Wandelbarkeit somancher Pädagogen, die offenbar auch in der Beurteilung unseres Faches undseiner eventuellen pädagogischen Werte sehr schnell vom„ Hosianna" zum,, Crucifige" umzuschalten verstanden haben. Für den zugegebenermaßen ein-seitigen Fachmann also vielleicht ein Grund mehr, die Volkskunde auch weiter-hin für„ unlehrbar” zu halten.
Leopold Schmidt
Die Bilderfabrik. Dokumentation zur Kunst- und Sozialgeschichte der in-dustriellen Wandschmuckherstellung zwischen 1845 und 1963 am Beispieleines Großunternehmens. Katalog der gleichnamigen Ausstellung, veran-staltet vom Institut für Volkskunde der Universität Frankfurt am Main unddem Historischen Museum Frankfurt am Main, unter Mitwirkung vonChrista Pieske, Lübeck, durch Wolfgang Brückner. Frankfurt amMain 1973, Historisches Museum. 139 Seiten mit 220, zum Teil farbigenAbbildungen.
Ein beträchtlicher Teil der Volkskunde, besonders der Volkskunstforschung,ist in den Jahren um die Jahrhundertwende aus Abneigung gegen die hierbearbeiteten und ausgestellten„ Schlafzimmerbilder" entstanden. Der Kampfgegen den„ Öldruck”, nicht zuletzt gegen die von der hier ausgestellten„ Bil-derfabrik" Adolf May herausgebrachten Drucke, hat die Intensivierung, dieWertsetzung der jungen Volkskunstforschung mitbeflügelt.
Wenn heute, mehr als ein halbes Jahrhundert später, ein Teil der deutschenVolkskunde sich nun gerade auf die Sammlung und Erforschung dieserBilder verlegt, dann bedeutet dies den sichtbar gewordenen Wandel innerhalbdes Faches. Die werdende Großstadtvolkskunde, die Erforschung der volks-tümlichen Graphik im Sinn von Adolf Spamer, sie haben den Wandel herbei-geführt. Die in Frankfurt und in vier anderen bundesdeutschen Städten ge-zeigte Ausstellung ist ein, vielleicht erst vorläufiger, Gipfel auf einem neuenWeg. Wolfgang Brückner hat die Anregungen und Sammlungen von ChristaPieske fleißig und wendig aufgegriffen, hat die Firma May für die Ausstellunginteressiert, und mit einer Reihe von Mitarbeitern die Objekte zusammenge-bracht, die in dieser Form ja noch von keinem Museum geschlossen verwahrtwerden. Einzelstücke finden sich zweifellos in so manchen Kollektionen. Derkundige Text führt vom„ Kommunikationsmedium Bild" über„ Bilder alsGebrauchskunst",„ Ikonographische Typologien”,„ Maler, Moden und Motive"bis zu„, Sofabild, Wohnstuben- und Eẞzimmerschmuck". Die Arbeiten vonScharfe, Schilling und Sturzenegger haben schon sehr viel und intensiv denWeg gebahnt. In dem flott heruntergeschriebenen Katalog tauchen so ziem-lich alle Modeschlagworte von heute auf, aber es wird auch viel kon-kretes Material über die beteiligten Künstler und Firmen geboten. Interessantist die Stellung Österreichs, eigentlich die des alten Österreich- Ungarn, dasja beträchtliche Massen dieser Drucke aufgenommen und lange Zeit auchbewahrt hat. Besonders das religiöse Schlafzimmerbild ist hier von denMöbelhandlungen bis zur unmittelbaren Gegenwart immer noch geliefertworden. Tatsächlich war auch ein Österreicher daran maßgebend beteiligt,nämlich der Wiener Maler Hans Zatzka( 1859-1945), der, für seine Kund-
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