in der brauchtümlichen Maulgabe empirisch bewährte Heilmittel, alsoRationabilia, vorbeugend eingegeben. Damit ist aber der Anschluß andie rein wirtschaftlich bedingte, nicht brauchtümlich gebundene( dasheißt hier auch: nicht periodisierte) Maulgabe als Zusatz zum Grund-futter gegeben, wobei allerdings die Maulgaben beim Kalben und beiKrankheit Übergangsformen darstellen.
Wir können also Grundzüge zusammenfassen: Sinn und Aufgabeder brauchtümlichen Maulgabe bestehen darin, durch die Verabrei-chung bestimmter Vegetabilia das Wohlbefinden der Haustiere, wennauch nicht in uneigennütziger Absicht, vor allem vorbeugend zu ge-währleisten und zu steigern. Die einzelnen Ingredienzien könneneinerseits der Erfahrung, zum anderen dem Glauben entstammen.Letztere sind entweder durch die kirchliche Segnung oder durch dieGlaubensgeltung im Außerkirchlichen gerechtfertigt. Diese„ volkstüm-lichen" Heiltümer sind entweder durch den besonderen Zeitpunkt ihrerVerwendung( Zeitenwende- Neubeginn, das„ Erste"), durch ihre Her-kunft( zum Beispiel Tau vom„ Himmel") oder gewissermaßen aussich selbst durch ihre Symbolkraft geheiligt. Eine besondere und kom-plexe Form stellt hier die Teilhabe der Haustiere an bestimmtenMählern der Menschen dar( Weihnachten und Ostern), die wiederumdurch eine Reihe spezifischer Glaubensvorstellungen überhöht sind.Die kirchlichen Sakramentalien, die in der Maulgabe Verwendungfinden, sind mit den nichtkirchlichen( ,, volklichen") Heiltümern typo-logisch weitgehend gleichzusetzen( zum Beispiel gesegneter PalmGetreidesprossen, Weihwasser„ Osterwasser”,„ Christtau"), waswahrscheinlich durch ihre Herkunft bedingt ist; religionsgeschichtlichgesehen hat jedoch die Kirche ihre Sakramentalien einem theozen-trischen Überbau eingeordnet. Allerdings kommt es in der Maulgabegewöhnlich zu einer Verschmelzung kirchlicher und außerkirchlicherFormen, zumal dem durchschnittlichen Gläubigen die theologischenErwägungen vielfach gar nicht bewußt sind.
6. Zum Alter des Brauches
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Derartige Bräuche aus der Glaubens- und Arbeitswelt der Bauernund Hirten wie die Maulgabe für das Vieh lassen sich gewöhnlichschwer exakt historisch greifen. Für eine direkte schriftliche Dokumen-tation, die früher nur privilegierten Schichten vorbehalten war, unddenen sie bestenfalls als Curiosa, Aberglauben und Relikte des Heiden-tums Glossar ::: zum Glossareintrag tums erschienen wären, waren sie zu unbedeutend; und für die Buch-halter ließen sie sich selten in Geldbeträgen ausdrücken. Was aberunseren Brauch betrifft, bieten sich jedoch gerade in den kirchlichenSakramentalien gewisse Möglichkeiten einer historischen Untermaue-
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