In Annaberg verbrannte man den alten Palm am Ostersonntag und gabdie Asche den Kühen in die Kleie. Ein außerkirchlicher Termin rituel-ler Feuererneuerung ist in einzelnen Gebieten Niederösterreichs auchder Tag des Feuerpatrons Florian, den vor allem die Schmiede undFeuerwehren festlich begehen; an diesem heizt man, wenn überhaupt,so erst gegen Mittag mit dem Palm im Herd ein oder verbrennt ihnim Backofen. Und in Zusammenhang damit gibt man in Windhaagund Ybbsitz die Palmasche entweder gleich an diesem Tag oder beimbevorstehenden Austreiben in das Futter. So hat der Palm also offen-bar auch noch nach seiner Rückführung in den elementarischenUrzustand und vielleicht gerade deswegen noch und wiedereine gewisse Segenswirkung, die an jene Asche vom Oster- und Sonn-wendfeuer erinnert.
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Zusammenfassend darf mit Mircea Eliade 59) über das„ ersteGrün", all die frühsommerlichen Segenszweige und dergleichen gesagtwerden: Sie verkörpern in ihrer Regeneration das unerschöpflicheLeben, Fruchtbarkeit, Überfluß, Glück, Segen, Gesundheit und sindsomit unter den Beigaben der Maulgabe besonders gerechtfertigt.
3.5 Sonstige Beigaben
Brot, Weihwasser,-salz und Palmkätzchen sind gewöhnlich dieHauptelemente der Maulgabe, wobei natürlich das eine oder andereentfallen kann. Zu diesem variablen Grundbestand können nun eineReihe weiterer Dinge hinzugeraten. So ist zum Beispiel die Beifügungvon Thomas- Hetschen" zur weihnachtlichen Maulgabe landschaft-lich recht gut abgrenzbar, also Hagebutten, die am Thomastag ge-pflückt werden sollen( Viertel ober dem Wienerwald). Brauchtümlichgilt von ihnen ähnliches, was über Heilkräutersammlung in Zusam-menhang mit den österlichen Getreidesprossen gesagt wurde: BeimEinbringen der Thomashetschen sind wieder bestimmte Gebote zubeachten, damit sie die vermeintlich richtige Qualität besitzen. Da istzunächst die Festlegung des Tages, der durch seine Stellung an derMittwintersonnenwende seit der Gregorianischen Kalenderreformbrauchtümliche Züge eines Jahreswechsels erhalten hat 60). Wie dieKornhalme sind aber auch die Hagebutten vor Sonnenaufgang zupflücken 61) oder dürfen zumindest erst am Thomastag vor Sonnenauf-gang ins Haus getragen werden( Frankenfels, Feichsen). In St. Anton
59) Eliade, S. 355.
60) HdA. Bd. 8, Sp. 763 ff.
61) Belegorte vor Sonnenaufgang: Feichsen, Frankenfels, Göstling a. d.Ybbs, Stössing, Trübenbach, Türnitz. Ohne nähere Tageszeitangabe: Buch, Wind-haag, Rogatsboden( Thomas?), Gresten, Scheibbsbach, Purgstall, Nestelberg,St. Anton a. d. Jessnitz, Petzelsdorf( Thomas?), Randegg.
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