Schon beim Beginn des Versuchsprogrammes des Österreichischen Fern-sehens finden wir Frau Dr. Horky- Hess als Abteilungsleiterin für Wissenschaft.Es wäre unmöglich, alle Filme und Sendungen, die von hier ausgestrahlt undüber ihre Abteilung gingen, zu erwähnen. Wieder oblag es dieser geistreichen,gebildeten Frau wissenschaftliche, u. a. volkskundliche Probleme zu behandeln,also nun ,, schaubar" zu machen. Wir denken dankbar an den Film von Maria Zellmit seiner ,, Via sacra", oder an die Dokumentationen über das Leben der Wein-hauer, der Pecher, der Bauern, ihrer Patrone und Feste, über Trachten undVolkstanz, oder an kulturhistorische Darstellungen wirtschaftlicher Themen, wiezum Beispiel der Schafwolle, und an die Heimatwerksendung, die deren Arbeitund Ziele weiten Fernsehkreisen näher brachte. Von ihren großen Sendereihenseien einige, immer noch gültige, erwähnt:„ Helfer der Menschheit", oder„, Hüterder Gesundheit" und die Dokumentation„ Das ist Österreich". Die jahrelangeZusammenarbeit mit dem Regisseur Robert Horky führte zu einem glücklichenEhebund.
Schwer krank ging Luise Horky in Frühpension. Fühlte sie sich besser,konnten wir sie bei unseren Veranstaltungen und Tagungen sehen und in denBibliotheken treffen. Nun wollte sie endlich zwei große Themen, die sie währendihres aufreibenden Berufslebens nicht bearbeiten konnte, als geschlossene Publi-kation herausbringen. Der Tod nahm ihr die Feder aus der Hand.
Josef Ringler+
Helene Grünn
Am 9. Jänner 1973 verschied in der Innsbrucker Klinik kurz vor seinem80. Geburtstag( 27. Jänner) Hofrat Dr. Josef Ringler, der frühere Direktor desdortigen Volkskunstmuseums. In unserer Zeitschrift zeichnete er als Mitheraus-geber.
Die Hauptrichtung seiner großen Forschungsarbeit ging vor allem in dasGebiet der Volkskunst, der Schwester unserer Disziplin. So hat er auch aufRandgebieten zur Volkskunde hin gearbeitet und sich mit echten volkskundlichenFragen beschäftigt. Die Tiroler Krippe, die er schon im Elternhaus kennen,schätzen und lieben gelernt hatte, stand seinem Herzen am nächsten. Über ihreEntwicklung und ihren Stand, nicht nur in seiner Heimat, hat er zunächst inzahlreichen Zeitschriftenartikeln geschrieben und schließlich in den beidenHauptwerken„ Alte Tiroler Weihnachtskrippen" und„ Tiroler Krippen unsererZeit" einen gewissenhaften und doch großzügigen Gesamtüberblick gegeben. Da-neben aber interessierte er sich für alle volkskundlichen Probleme, die einenkünstlerischen Niederschlag gefunden haben: die Tracht, ihre Erzeugung, diebäuerliche Einrichtung mit Möbeln, Öfen und kunsthandwerklich bearbeitetemHaus- und Flurgerät. Seine große Liebe zur Musik lag in der Familie. EinOnkel, der als Nationalsänger durch Europa zog, regte ihn an, auch das TirolerNationalsängertum zu erforschen.
In seinem Museum hat er mit der Aufstellung der Sammlungen nicht nurvolkskundliches Material der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, sondern auchbei der Bestimmung und Einordnung des gewaltigen Bestandes wichtige Er-kenntnisse für seine Disziplin erarbeitet.
Der Verewigte wird für immer als der große Schöpfer und Erhalter derWissenschaft von tirolischer Volkskunde und Volkskunst weiterleben.
Innsbruck
Franz Colleselli
4*
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