Jahrgang 
75 (1972) / N.S. 26
Einzelbild herunterladen
 
  

Beschnitzung und Einfärbung werden die verschiedensten Gründe nam-haft gemacht. Das vermutlich größere Kapitel der religiösen Hirten-schnitzereien wird etwas schmal behandelt. Der Weg der schnitzendenHirten in die Gegenwart wird an Beispielen angedeutet. Aber man spürtaus dem Text, daß das Verhältnis des schnitzenden Gesellschafts- Außen-seiters zu seinem Gegenstand dort wirklich miterfaßt wurde.

Wenn Frau K.- Csilléry über Bauernmöbel schreibt, weiß man,daß ein souveräner Fachvertreter sich äußert. Die Verfasserin hat dasgroße Gebiet seit Jahrzehnten im Griff, und so bedeutet diese relativkleine Zusammenfassung auch nur einen Auszug aus ihren vielen Einzel-forschungen. Aber es ist eine gekonnte Zusammenfassung, es werdenauch neueste Erkenntnisse der Möbelforschung eingearbeitet. FrauK.- Csilléry zieht vor allem für die einfachen, aber gestaltmächtigen Früh-formen des Sitzmöbels beispielsweise antike, ja ägyptische Möbel ineinem Ausmaß heran, wie dies bisher kaum üblich war. Daß die Fragender Formgebung, der Beschnitzung und der Bemalung bei ihr in gutenHänden sind, weiß man von vornherein. Besieht man sich die abgebil-deten Stücke von unserem Standpunkt, wird man vielleicht in vielenFällen feststellen müssen, daß die eindeutig deutsche Herkunft beson-ders der kultivierteren Formen, der Almer, der Lehnenstühle, der Kufen-wiegen, unterbetont erscheint, ja dem Leser, der die Verhältnisse nichtkennt, vielleicht ganz entgehen könnte.

Davon abgesehen lassen sich aus dem schmalen Büchlein nochmanche andere wichtige Züge herauslesen, beispielsweise das Aufblühender nationalen" Volkskunst im 19. Jahrhundert. Wie bei der Tracht undbei der Stickerei haben sich auch bei den Möbeln damals wesentlicheIntensivierungserscheinungen ergeben, die in ihrer ganzen Bedeutungwohl noch eindringlicher zu untersuchen wären.

Leopold SchmidtAngelos Baš, Gozdni in žagarski delavci na južnem Pohorju v dobikapitalistične izrabe gozdov( Wald- und Sägearbeiter am südlichenBachern in der Zeit der kapitalistischen Waldnutzung). Maribor-Marburg, Založba obzorja, 1967. 311 Seiten, 80 Abb. im Text, 1 Karte.Der Verfasser hat das mit einer ausführlichen deutschsprachigenZusammenfassung versehene Buch als einen Beitrag zu einer gegen-ständlichen Weiterentwicklung der Volkskunde gedacht. Er beschäftigtsich darin ausschließlich mit den Wald- und Sägearbeitern des südlichenBacherngebietes der slowenischen Untersteiermark, die dieser Arbeitnicht nur periodisch als Nebenerwerb, sondern ausschließlich nachgin-gen. Ungefähr seit der letzten Jahrhundertwende lebten zirka vierzigFamilien in den von den Großgrundbesitzern errichteten Arbeiter-hausern, außerdem andere Arbeiterfamilien als Inwohner bei den Bauernder Gegend. Das Buch ist eine der wenigen volkskundlichen Publika-tionen zu einer Arbeitervolkskunde, die an sich ja schwieriger zu fassenist als die Volkskunde der bäuerlichen Welt. Nicht zufällig setzt wohlauch diese Arbeit in einem Randbereich der bäuerlichen Welt an. Zudemunfaßt sie eine zahlenmäßig kleine Gruppe in einem begrenzten geo-graphischen Raum, der leichter überblickbar ist als etwa Industrie-arbeiter. Jedenfalls bietet sich von solchen Gruppen am ehesten ein Zu-gang zu anderen Arbeitergruppen, so daß das vorliegende Buch wohleinen Wegweiser in diese Richtung bilden könnte.

Baš garantiert auch eine solide fachliche Behandlung des Themas,die tatsächlich in allen Kapiteln spürbar wird. Die Lebensweise der

242