János Tóth, Az örségek népi épitészete( Volksarchitektur des Örseg-Gebietes). 154 Seiten, 328 Abb. im Text, VI Farbtafeln. Budapest 1971,Müzaki könyvkiadó.
Das neue Buch des ungarischen Bauernhausforschers kommt geradezur rechten Zeit, damit wir direkt im Anschluß an den Bildband vonFranz Simon darauf hinweisen können. Da das Buch in ungarischerSprache erschienen ist, mit nur kurzen englischen, deutschen und russi-schen Auszügen, kann es sich ja leider nur um einen Hinweis handeln.Aber es steht von vornherein fest, daß Tóth, der 1965 sein schönesBuch über das Bauernhaus im Gebiet von Göcsej vorgelegt hat, und vondem auch eine ganze Reihe weiterer Arbeiten zum Bauernhaus in Ungarnstammen, gediegen im Sinn der herkömmlichen Bauernhausforschungzu arbeiten versteht, wenn auch selbstverständlich mit mehr Kenntnisder ungarischen als der österreichischen Literatur. Wichtige Arbeitenvon Arthur Haberlandt und von Adalbert Klaar, die beispielsweise fürdie Aufschlüsselung der Dachkonstruktionen heranzuziehen gewesenwären, vermiẞt man in seinem an sich umfangreichen Literaturver-zeichnis.
Tóth behandelt hier das Gebiet von Unterwart und Oberwart dies-seits und jenseits der Grenze, also im ungarischen Bezirk Vás wie imburgenländischen Bezirk Oberwart. Er sieht, wie beispielsweise dieKarte auf S. 12 zeigt, auch das burgenländische Gebiet immer noch alsungarisch an.
Im ersten Abschnitt werden die Siedlungsformen behandelt, mit denangeblich von Großfamilien bewohnten Häusergruppen. Der zweite Ab-schnitt behandelt die Entwicklung des Wohnhauses, wobei man sichstets vor Augen führen muß, daß die Bauten höchstens bis ins 18. Jahr-hundert zurückreichen. Haustypen und Flurtypen finden sich behandelt,immer mit Photographien und Grundrissen gleichermaßen dokumen-tiert. Dann folgen Aufnahmen der Rauchabzüge, der Giebel, auch derMöbel und anderer Einrichtungsgegenstände. Anschließend werden dieKonstruktionen vor allem der Dächer der Scheunen und der Wohnhäusererörtert. Wenn man bedenkt, wieviel Arbeit gerade darauf von Haber-landt und Klaar gewendet wurde, wundert man sich schon, daß Tóthdarauf nicht zurückgreift, und sich( wenigstens in Klammer) der gut ein-geführten deutschen Terminologie bedient.
Nach den Dachkonstruktionen folgt ein Kapitel über die auch vonden Ungarn und von den Slowenen als„ Kasten“ bezeichneten Kasten-speicher. Die österreichische Hausforschung hat sich soviel mit denKastenspeichern beschäftigt, daß irgendetwas davon doch eigentlichauch in Ungarn hätte bekannt werden müssen. Es ist aber ganz offen-sichtlich nicht der Fall gewesen. Das soll übrigens nicht heißen, daß wirfür die genauen Grund- und Aufrisse und Photos dieser Speicherbautenim besagten Gebiet nicht dankbar wären.
Tóth greift dann, wie so manche Vorgänger auch, über das Gebietder eigentlichen Hausforschung hinaus und beschäftigt sich auch mitden hölzernen Glockenstühlen, den Feldkreuzen und anderen Bautenim ländlichen Bereich. Er bezieht sie ja auch in seine Pläne für zweiFreilichtmuseen ein, die in Szombathely( Kom. Vás) und in Zálaégerszeg( Kom. Zála) bestehen bzw. in Vorbereitung sind. Damit in Zusammenhang erörtert Tóth verdienstvoll die Möglichkeiten einer Unterschutz-stellung der von ihm erforschten ländlichen Bauten. Alle diese Dingesind für uns schließlich nicht zuletzt im Zusammenhang mit dem Bur-genländischen Freilichtmuseum in Bad Tatzmannsdorf von Wichtigkeit.
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