bemalte und sie u. a. auch in Salzburg ausstellte. Michael Haberlandthob besonders hervor, daß den Arbeiten von Gertrud Brunner ein inten-sives Studium der überlieferten Möbelmalerei, namentlich in den Samm-lungen des Museums für Volkskunde in Wien vorausging, daß sie zahl-reiche Farbkopien volkstümlicher Motive ausführte und daß sie vorallem den überraschenden Reichtum" des Möbels der Umgebung vonLambach zur Grundlage ihrer schöpferischen Weiterentwicklung nehme.M. Haberlandt erwarb die Motivsammlung der jungen Künstlerin fürdas Volkskundemuseum und ermunterte sie, selbst die Möbelbemalungaufzunehmen ¹).
Es scheint kein reiner Zufall zu sein, daß dem Zentrum der ober-österreichischen Möbelmalerei, und das ist ohne Zweifel Lambach, dieerste Kunsthandwerkerin entwachsen ist, die sich die Weiterführung derlängst erloschenen Technik der Möbelbemalung zum Ziel gesetzt hat.Soweit überblickt werden kann, hat tatsächlich Gertrud Wimmer- Brun-ner den Reigen des inzwischen zur Masse empor-( oder hinab-) gediehe-nen Zuges der österreichischen( und mitteleuropäischen) Möbelmalerin-nen- Secundogenitur eröffnet.
Ihr Leben ist ein gut österreichisches Schicksal. Sie wurde am 21. Ok-tober 1887 geboren und entstammt sowohl väterlicher. wie mütterlicher-seits einer Beamtenfamilie. Der Großvater, Wenzel Brunner, war Statt-haltereirat in Linz, seine Ehefrau stammte aus Kössen in Tirol. Unterden etwa 11 Geschwistern des Vaters, der 1910 als Hofrat des Landes-gerichtes Salzburg starb, befand sich Heinrich Brunner, der als Nestorder Deutschen Rechtsgeschichte bezeichnet wird. Die Mutter Wilhelminewar eine Baronin Hillmayer. Der Vorfahr, Ladislaus Edler von Hill-mayer, wurde 1697 vom römisch- deutschen Kaiser wegen seiner Ver-dienste in den Türkenkriegen in den Reichsritterstand erhoben, 1839kam der Freiherrenstand dazu. Der Familie entstammten zahlreiche ver-diente Beamte und Offiziere der Monarchie.- Über ihre HalbschwesterGrete Pausinger, die aus der ersten Ehe ihres Vaters stammte, standGertrud Wimmer- Brunner auch mit dem berühmten österreichischenWildmaler Franz von Pausinger und dem Porträtisten Clemens v. Pau-singer in verwandtschaftlicher Beziehung. Schließlich blieb sie derFamilientradition auch durch ihre 1923 erfolgte Ehe mit dem Oberst desösterreichischen Bundesheeres, Max Wimmer, treu.
Ihr von zuständigen Autoritäten anerkanntes Können als Möbel-malerin hat sich Frau G. Wimmer- Brunner mehr oder weniger als Auto-didakt erworben. Lehrerbildungsanstalt, ein oder zwei Jahre Kunst-gewerbeschule und Handelsschule statteten sie eher mit einer nach da-maligen Maßstäben sehr umfassenden Allgemeinbildung aus, die sieberuflich auch zunächst ins Bankfach, nicht ins Atelier brachte. Was siespäter wurde, hat sie selbst durch Anschauung, Einfühlungskraft undGestaltungswillen erworben.
Der Erfolg blieb der Pionierin nicht versagt. Der Drang zahlreicherLandhausbesitzer nach bemalten Möbeln wurde mit den Jahren zuneh-mend stärker, so daß sie in ihrem damaligen Alleingang( bis etwa 1940,wobei es natürlich auch schon früher dort und da Anläufe gab, die je-doch meist anonym blieben) kaum allen Nachfragen entsprechen konnte.Wiederholt hat Frau G. Wimmer- Brunner ausgestellt. In der bekannten
1) Ein Teil dieser vorzüglichen Farbkopien wurde wiederum 1972 beider Ausstellung„ Bemalte Bauernmöbel aus Österreich" im Österreichi-schen Museum für Volkskunde verwendet.
Schdt.
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