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75 (1972) / N.S. 26
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Gerade die Bekanntheit und äußere Anspruchslosigkeit gibtaber einen Hinweis, der hier weiterführen kann. Sie verhindertvon vornherein jeden Versuch, in der oberflächlichen Ebene derAufzählung von Fakten den Kern des Spieles und seine tragendengeistigen Motive ergründen zu wollen. Die Begriffe üblich, ge-wöhnlich, einfach werden zu einem Charakteristikum diesesSpiels. Man ist bei der Beschreibung von Anfang an versucht, sichauf die Erfahrung des anderen zu berufen. Das Jeder kenntes" wird selbst zum Merkmal!

Das Höttinger Peterlspiel ist ein echtes Volksspiel. DasVolk selbst ist das tragende Subjekt. Rudolf Jenewein, der Heraus-geber des Textes, vermerkt ausdrücklich, daß er sich den Textdirekt vom Vögele Peter, einem aktiven Puppenspieler, habe dik-tieren lassen 2). Es gibt also keine literarische Tradition, auf die ersich stützen kann. Er wertet diese sogar bewußt ab ³). Zwar beginntschon in der Romantik um die Wende des 18. Jahrhunderts dieWissenschaft der deutschen Volkskunde und mit ihr das Sammelnvolksnaher Texte. Für das Puppenspiel aber wirkte sich diese Be-wegung allgemein erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhun-derts aus.

2) Das Höttinger Peterlspiel. Ein Beitrag zur Charakterisierung desVolkstums in Tirol. Hg. von R. Jenewein, Innsbruck 21928( 11903) 5.

3) Die erste Auflage des Textes erschien 1903, die zweite 1928 inInnsbruck. Zwei Jahre nach der ersten Auflage, 1905, gab Jeneweinals Nachträge zum Höttinger Peterlspiel" die Alt- Innsbrucker Hans-wurst- Spiele" heraus. In der Einleitung dazu erklärt er, daß er im Höt-tinger Peterlspiel alles aufgeschrieben habe, soweit es unter den Spiel-leuten lebendig war. Man könne den Begriff alles" aber natürlich auchweiterfassen und auf dem Papier Umgehendes" miteinbeziehen. DasUnterscheidet die Alt- Innsbrucker Hanswurst- Spiele vom HöttingerPeterlspiel. Bei den Alt- Innsbrucker Hanswurst- Spielen handelt es sichum eine Zusammenstellung des gesamten literarisch fixierten Quellen-materials. Jenewein gibt diese Quellen genau an. Seiner Meinung nachist keine älter als 80 Jahre, in jedem Fall jünger als die Tiroler Befrei-ungskriege.

Jenewein selbst zieht die lebendigere, bis zu ihm nur mündlichweitergegebene Tradition, die er im Höttinger Peterlspiel aufgeschriebenhat, den schriftlichen Quellen deutlich vor. Er bezeichnet die Alt- Inns-brucker Hanswurst- Spiele, die er als Individualpoesie" der eigentlichen Volkspoesie" gegenüberstellt, als Nachträge zum Höttinger Peterl-spiel", für anspruchsvollere Meinungen( vgl. Alt- Innsbrucker Hans-wurst- Spiele. Nachträge zum Höttinger Peterlspiel. Hg. von R. Jenewein,Innsbruck 1905, Einleitung). Ein wenig wird diese Trennung von Indivi-dual- und Volkspoesie dadurch gestört, daß Jenewein nach der Heraus-gabe des Höttinger Peterlspiels 1903 doch eine Handschrift im Ferdinan-deum in Innsbruck dazu entdeckt hat. Er hilft sich mit der Behaup-tung, daß diese Handschrift aus einer ferne abliegenden Quelle"stamme( Das Höttinger Peterlspiel, Innsbruck 2 1928, 5).

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