Jahrgang 
75 (1972) / N.S. 26
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nachn giaht bei Nachten, kimmt er ans richtige Ort; solang fahltihme nicht( fehlt ihm nichts)." Ganz oben am Berg ist unterdessendas weiße Küahle sichtbar worden. Langsam und vorsichtig klettertes bergab, immer einem schmalen Steig nach, der dort herabführt.Alle wissen es ganz genau, dort unterhalb der großen Bäume wirdes stehen bleiben. Dort ist a Pitz( Wassergrube), wo es immertrinkt. Unten im Tal bei der Bachbrücke bleibt es auch jedesmalstehen und frißt ein paar Blätter von den Stauden ab. So viel kenntwohl jeder Bergbauer sein Vieh, daß er genau weiß, was es treibt.Es dauert noch eine gute halbe Stunde, bis das weiße Küahleendlich vor der Stalltür steht und um Einlaẞ liat.

So einer Kuh schaut wirklich die Gemüatlichkeit aus den Augen.Vom kleinsten Kinde läßt sie sich befehlen. Ausnahmen sind sehrselten. Die Matze beim Rennerbauern tut gegen kleinere Kinder Kopf machen( mit den Hörnern drohen). Ein Büable hat sie ein-mal, wie sie jung war, recht geschlagen und derschreckt. Die Weixl von der Jungegge geht auf jeden Hund mit gesenkten Hör-nern los. Sie kann den Fleischerhund nicht vergessen, der ihr ein-mal das Kalbele weggetrieben hat.

Es kommt selten vor, aber möglich ist es schon, daß ein solchesVieh seine Milch selber austrinkt. Die Kuih unterau'wärt ¹), sokann sie sich selber melch'n!"

Fürchtig( furchtbar) sieht es aus, wenn die Kühe schpakn.Sie heben den Schweif in die Höhe und springen ganz wilde. Damuß man sie springen lassen, sie sind nicht zum au'dahalt". Heuthat's Vieche gelellt, sagt man dazu in Innervillgraten 2).

In der Weihnachtszeit sollen die Kühe sprechen. Aber man darfnicht zuhören, sonst geschieht ein Unglück.

Einen Sesselfuß ausreißen und über das Dach werfen, ist einHeilmittel, wenn eine Kuh schwer gebiert. Wenn das Nuidele( Kalb)auf die Welt kommt, schaut man gleich, ob's ein mannas oderweiwas ist. Ein weibernes Glossar ::: zum Glossareintrag  weibernes gilt natürlich als zukünftiges Milchtiermehr und wird als Ziglkalbl aufgezogen. Den agespenten( entwöhn-ten) Kälbern gibt man Maulkörbl aus weichem Draht, daß sie nichtmelchn.

Viehhüten

Wenn man in einem Ort eine Wiese hat, kann man dort dieKühe auf dem Gemeindegrund weiden lassen. Ist dieser vom Hausweiter entfernt, zahlt man einem Bauern etwas für die Aufsicht.

1) Das untere aufwärts, auf dem Rücken liegend!

2) bisel'n" im Defereggen Tal, wenn die Rinder bei großer Hitze,von Fliegen verfolgt, mit aufgerichteten Schwänzen davonrennen( V.Hintner, Beiträge zur tirolischen Dialektforschung, Wien 1878, 23).

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