Jahrgang 
74 (1971) / N.S. 25
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Blut aus den Adern, oder töten sie und essen ihre Gedärme. Liebes-speise für die Wrikolakes ist die Leber der Menschen 69). Sie erstik-ken kleine Kinder und bringen den Frauen Fehlgeburten. Das Volkleitet viele Unglücksfälle von den Wrikolakes ab 70), die nicht auf-hören, wenn nicht die Dorfbewohner mit verschiedenen Gebetendafür sorgen, daß der Körper des zum Wrikolakas gewordenenMenschen verwest. Auf den Friedhöfen trinken die Wrikolakes dasÖl der öllämpchen auf den Gräbern.

Es gibt Dörfer in Griechenland, deren Bewohner sich in anderenOrten niedergelassen haben, um sich vor den Wrikolakes zu retten.Oft besuchen die Wrikolakes ihre Frauen zu Hause und zeugenKinder ohne Knochen. In Abwesenheit der Ehemänner verkehrensie mit den Frauen 71).

Viele Wrikolakes gehen an Orte, an denen sie als Lebendeunbekannt waren. Dort heiraten sie. Ihre Kinder haben auch keineKnochen. Sie werden eines Tages immer als Wrikolakes erkanntund von den Dorfbewohnern verbrannt.

Samstags bleiben die Wrikolakes immer in ihren Gräbern.Mit sieben Monaten Geborene werden von den Wrikolakes gezwun-gen, mit ihnen zusammen zu tanzen und zu singen. Priester sindihnen sehr verhaßt. Treffen sie sie unterwegs, versuchen sie ihnenzu schaden, ohne daß sich jene zu erkennen geben. Nachts kommendie Wrikolakes aus ihren Gräbern, fallen die Menschen an undlegen sich besonders auf die Brust ihrer Verwandten, um ihnen dasBlut auszusaugen 72). Gerne rufen sie nachts jemanden außerhalbseines Hauses beim Namen. Antwortet der Angerufene, stirbt er amnächsten Tag; reagiert er nicht, passiert ihm nichts. Die Wrikolakesrufen nur einmal, deswegen antworten die Leute niemals beimersten Ruf 73).

Die Wrikolakes bringen Möbel und andere Geräte durchein-ander, wenn niemand zu Hause ist.

Hat man jemals einen Wrikolakas gesehen, vergißt man ihnsein ganzes Leben nicht mehr und bei Erinnerung an ihn wird manjedesmal in großen Schreck versetzt.

69) Vgl. S. Laubuscher, Über die Wehrwölfe und Tierverwand-lungen im Mittelalter, Berlin 1850, S. 58.

70) Ähnlich auch im Altertum, als die Thebaner jedes Unglück ihrerStadt vom Tode des Laios durch seinen Sohn Oedipus herleiteten, vgl.Soph. Oedip. Tyr.

71) B. Schmidt, Das Volksleben der Neugriechen, a. a. O., S. 165.72) Dimitris Zelenin, Russische( ostslavische) Volkskunde, Ber-lin Leipzig 1927, S. 393.

73) Leo Allatius, a. a. O., S. 142.

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