Die Alten glaubten auch, daß die Heilquellen durch die Nym-phen entstanden waren 18).
Auch im Mittelalter waren die Neraides bekannt. Das Volknannte sie Nerajides. Sie erschienen um dieselbe Zeit wie heuteund an den gleichen Orten. Sie waren Dämonen weiblichen Ge-schlechts und wiederum nichts anderes als die Nymphen des Alter-tums 19).
Weil nach der Vorstellung der Neugriechen in Orten wie dieo. e. die Neraides erscheinen, gibt es in Griechenland eine Reihe vonOrtsnamen, die den Erscheinungsort der Neraides bezeichnen, wie:Neraidenhöhle, Neraidenstein, Neraidengarten, Neraidenburg,Neraidendorf 20).
c) Gestalt
In den meisten Orten Griechenlands sind die Neraidesvorstel-lungen ähnlich. Die Neraides sind junge, schlanke, hübsche Mäd-chen mit langen, weißen Kleidern und in der Hand oder auf demKopf ein Tuch tragend. Sie haben schöne, große, strahlende Augen.Viele Überlieferungen sprechen überhaupt von der Schönheit derNeraides, aber diese hübschen Nymphen haben entweder Ziegen-oder Eselsfüße. Im Altertum gab es auch Gottheiten mit Esels-füßen 21).
Oft vergleicht das griechische Volk hübsche Mädchen mitNeraides oder schöne Augen eines Mädchens mit denen einerNeraida. Auch in Serbien werden außerordentlich schöne Mädchenmit Neraides verglichen 22).
Die Neraides gehen meistens in Gruppen und fangen an zutanzen, wenn sie den geeigneten Ort dafür finden. Sie erscheinendeshalb oft tanzend. Auch die altgriechischen und römischen
18) Paus. V, 6, 6, und VI, 22, 4. In Frankreich vermuten die Berg-bewohner der Anvergne, daß die Heilkraft der Mineralwasser vonMarat- le Quaire von den Feen stammen, vgl. J. A. Boullet, Tabletteshistorique de l'Anvergne, Paris o. J., Bd. II, S. 585. Auch in vielen ande-ren Orten Europas wird die Heilkraft der Mineralwasser den Feenzugeschrieben, die die Wasser durch ihren magischen Stock entstehenließen, vgl. Alfred Maury, Les fées au moyen âge, recherches surleur origine, Paris 1843, S. 27.
19) Johannes Magistros Kanavoutzes, bei N. G. Politis,Μελέτη ἐπὶ τοῦ βίου τῶν νεωτέρων Ἑλλήνων, Athen 1871, S. 95-96.
20) Stylianos Wios, a. a. O., S. 441, St. Kyriakides, a. a. O., S. 195.Curt Wachsmuth, Das alte Griechenland im neuen, Bonn 1864,S. 30. Ähnliche Beispiele gibt es auch in Frankreich, vgl. Alfred Maury,in Revue archéologique, Bd. X., Paris 1848, S. 364.
21) Aristoph. Batr. 293.
22) N. G. Politis, Meλéry, a. a. O., S. 92.
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